(Stutt­gart)  Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm hat am 04. Novem­ber 2010 das Ver­fah­ren ent­schie­den, in dem es um eine frist­lo­se Kün­di­gung wegen des Ver­zehrs von Pom­mes fri­tes und Fri­ka­del­len ging und die Kün­di­gung für unwirk­sam erklärt.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm vom 04. Novem­ber 2010 – Az.: 8 Sa 711/10.

In dem Ver­fah­ren, über das bereits in der Pres­se aus­führ­lich berich­tet wur­de, strei­ten die Par­tei­en über die Wirk­sam­keit einer außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung.

Der im Jah­re 1959 gebo­re­ne Klä­ger ist seit dem 08.11.1991 für die beklag­te Anstalt des öffent­li­chen Rechts, die die Cam­pus-Gas­tro­no­mie im Bereich der Ruhr-Uni Bochum betreibt, als Mit­ar­bei­ter tätig. Die Beklag­te wirft dem Klä­ger vor, er habe am 07.07.2009 beim Durch­gang durch die Küche Pom­mes fri­tes sowie 2 Fri­ka­del­len zum Ver­zehr an sich genom­men. Obwohl der Vor­ge­setz­te ihn dar­auf­hin gewie­sen habe, dass es nicht zuläs­sig sei, Lebens­mit­tel zu ent­neh­men, ohne die­se zu bezah­len, soll der Klä­ger nach dem Vor­brin­gen der Beklag­ten in Anwe­sen­heit des Vor­ge­setz­ten zwei wei­te­re Fri­ka­del­len genom­men und sich mit die­sen in den Pau­sen­raum bege­ben haben. Dar­auf­hin habe der Vor­ge­setz­te ihm den Hin­weis erteilt, er habe zur­zeit kei­ne Pau­se und ihn gebe­ten, sich ins Büro zu bege­ben. Der Klä­ger sei aber wei­ter zum Sozi­al­raum gegan­gen und habe geäu­ßert, der Vor­ge­setz­te sol­le ihn in Ruhe las­sen, er wis­se was er tue. Erst nach Ein­schal­ten eines wei­te­ren Vor­ge­setz­ten sei der Klä­ger zu einem Gespräch bereit gewe­sen.

Mit Schrei­ben vom 20.07.2009 kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger außer­or­dent­lich frist­los sowie hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit sozia­ler Aus­lauf­frist. Sie bewer­tet das Ver­hal­ten des Klä­gers als Dieb­stahl, zumin­dest bestün­de ein Dieb­stahls­ver­dacht, Zudem stützt sie die Kün­di­gung auf die Ver­wei­ge­rungs­hal­tung des Klä­gers.

Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger mit sei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge. Mit Urteil vom 17.12.2009 hat­te das Arbeits­ge­richt Bochum der Kla­ge statt­ge­ge­ben.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten blieb vor der 8. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts ohne Beweis­auf­nah­me erfolg­los, betont von Bre­dow.

Auch wenn man das Vor­brin­gen der Beklag­ten als wahr unter­stel­le, sei die Kün­di­gung unwirk­sam.

Das Gericht ist zunächst davon aus­ge­gan­gen, dass der behaup­te­te Ver­zehr der Pom­mes fri­tes und der Fri­ka­del­len im vor­lie­gen­den Fall kei­nen wich­ti­gen Grund für die frist­lo­se Kün­di­gung dar­stel­len kön­ne. Dabei sind ins­be­son­de­re die 19-jäh­ri­ge Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit und der Umstand, dass der Klä­ger nach den Tarif­ver­trä­gen des öffent­li­chen Diens­tes nur noch außer­or­dent­lich künd­bar ist, zu berück­sich­ti­gen. Aber auch die von der Beklag­ten vor­ge­tra­ge­ne Wei­ge­rung des Klä­gers ins Büro zu kom­men, kann die frist­lo­se Kün­di­gung nicht recht­fer­ti­gen. Als mil­de­res Mit­tel hät­te zunächst eine Abmah­nung aus­ge­spro­chen wer­den müs­sen, die dem Klä­ger als letz­te War­nung die Mög­lich­keit gege­ben hät­te, das behaup­te­te Ver­hal­ten zu über­den­ken. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht zuge­las­sen.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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