(Stutt­gart) Das Min­des­t­ent­gelt nach § 2 der Ver­ord­nung über zwin­gen­de Arbeits­be­din­gun­gen für die Pfle­ge­bran­che (Pfle­ge­ArbbV) vom 15. Juli 2010 ist nicht nur für Voll­ar­beit, son­dern auch für Arbeits­be­reit­schaft und Bereit­schafts­dienst zu zah­len.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 19.11.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 5 AZR 1101/12.

Die 1954 gebo­re­ne Klä­ge­rin war bei der Beklag­ten, die einen pri­va­ten Pfle­ge­dienst betreibt, als Pfle­ge­hel­fe­rin gegen ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt von 1.685,85 Euro beschäf­tigt. Zu ihren Auf­ga­ben gehör­te ua. die Pfle­ge und Betreu­ung von zwei Schwes­tern einer Katho­li­schen Schwes­tern­schaft, die bei­de an Demenz lei­den und an den Roll­stuhl gebun­den sind. Neben den eigent­li­chen Pfle­ge­leis­tun­gen obla­gen der Klä­ge­rin auch Tätig­kei­ten im Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung der Schwes­tern (wie zB Zube­rei­ten von Früh­stück und Abend­essen, Wech­seln und Waschen von Wäsche). Die Klä­ge­rin arbei­te­te in zwei­wö­chi­gen Rund-um-die-Uhr-Diens­ten, wäh­rend derer sie ver­pflich­tet war, an der Pfle­ge­stel­le anwe­send zu sein. Sie bewohn­te in den Arbeits­pha­sen im Haus der Schwes­tern­schaft ein Zim­mer in unmit­tel­ba­rer Nähe zu den zu betreu­en­den Schwes­tern. Die­se nah­men täg­lich von 11:45 bis 12:45 Uhr am gemein­sa­men Mit­tag­essen der Schwes­tern­schaft und von 17:50 bis 18:50 Uhr am Got­tes­dienst teil. Mit ihrer Kla­ge hat sie für die Mona­te August bis Okto­ber 2010 die Nach­zah­lung von ins­ge­samt 2.198,59 Euro brut­to begehrt und gel­tend gemacht, das Min­des­t­ent­gelt von — damals — 8,50 Euro je Stun­de nach § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV sei für jede Form der Arbeit zu zah­len. Die Beklag­te hat ein­ge­wen­det, die Klä­ge­rin habe nicht 24 Stun­den am Tag gear­bei­tet. Das Min­des­t­ent­gelt nach der Pfle­ge­ArbbV sei nicht für Bereit­schafts­dienst zu zah­len. Für die­sen kön­ne arbeits­ver­trag­lich eine gerin­ge­re Ver­gü­tung ver­ein­bart wer­den.

Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge über­wie­gend abge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Kla­ge auf der Basis von 22 mit dem Min­des­t­ent­gelt zu ver­gü­ten­den Stun­den je Arbeits­tag im Rund-um-die-Uhr-Dienst statt­ge­ge­ben. Die Zei­ten des Mit­tag­essens und der Teil­nah­me am Got­tes­dienst hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt als nicht zu ver­gü­ten­de Pau­sen gewer­tet. Die Revi­si­on der Beklag­ten blieb vor dem Fünf­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfolg­los. Das Min­des­t­ent­gelt nach § 2 Pfle­ge­ArbbV ist „je Stun­de” fest­ge­legt und knüpft damit an die ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Arbeits­zeit an. Dazu gehö­ren nicht nur die Voll­ar­beit, son­dern auch die Arbeits­be­reit­schaft und der Bereit­schafts­dienst. Wäh­rend bei­der muss sich der Arbeit­neh­mer an einem vom Arbeit­ge­ber bestimm­ten Ort bereit­hal­ten, um im Bedarfs­fal­le unver­züg­lich die Arbeit auf­zu­neh­men. Zwar kann dafür ein gerin­ge­res Ent­gelt als für Voll­ar­beit bestimmt wer­den. Von die­ser Mög­lich­keit hat der Ver­ord­nungs­ge­ber im Bereich der Pfle­ge aber kei­nen Gebrauch gemacht. Des­halb sind arbeits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, die für Bereit­schafts­dienst in der Pfle­ge ein gerin­ge­res als das Min­des­t­ent­gelt nach § 2 Pfle­ge­ArbbV vor­se­hen, unwirk­sam.

Klar­mann emp­fahl, dies beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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