(Stutt­gart) Mit Aus­nah­me der Pau­sen gel­ten auch Bereit­schafts­diens­te als Arbeits­zeit und sind des­halb wie Arbeits­leis­tun­gen wäh­rend der Voll­ar­beits­zeit mit dem gesetz­li­chen Min­dest­lohn zu ver­gü­ten.

Dies, so der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men” des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V., hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Baden-Würt­tem­berg in einem jüngst ver­öf­fent­li­chen Urteil vom 28. Novem­ber 2012 (Az.: 4 Sa 48/12) ent­schie­den.

Die Klä­ge­rin war bei einem pri­va­ten Pfle­ge­dienst beschäf­tigt und wur­de in einem katho­li­schen Schwes­tern­haus zur Erbrin­gung pfle­ge­ri­scher Leis­tun­gen bei zwei pfle­ge­be­dürf­ti­gen Schwes­tern ein­ge­setzt. Ver­trag­lich war ver­ein­bart, dass die Klä­ge­rin soge­nann­te Rund-um-die-Uhr-Diens­te erbringt. Wäh­rend die­ser Diens­te wohn­te die Klä­ge­rin im Schwes­tern­heim in unmit­tel­ba­rer Nähe zu den Schwes­tern. In die­se Diens­te fie­len Zei­ten der Voll­ar­beit sowie Bereit­schafts­zei­ten. Eine Abgren­zung zwi­schen Voll­ar­beit und Bereit­schafts­dienst wur­de ver­trag­lich nicht getrof­fen. Die Klä­ge­rin mach­te über ihre ver­trag­li­che Pau­schal­ver­gü­tung hin­aus Ent­gelt­an­sprü­che unter Zugrun­de­le­gung des Min­des­t­ent­gelts in Höhe von 8,50 Euro pro Stun­de nach § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV gel­tend. Die­sen Stun­den­satz begehr­te sie für die vol­len 24 Stun­den eines Rund-um-die-Uhr-Diens­tes.

Die Stutt­gar­ter Rich­ter gaben der Klä­ge­rin im Wesent­li­chen Recht, so Fran­zen.

Denn die Rege­lung über das Min­des­t­ent­gelt in der Pfle­ge­bran­che in § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV dif­fe­ren­zie­re nicht nach der Art der erbrach­ten Tätig­keit. Des­halb sei­en auch im Bereit­schafts­dienst erbrach­te Arbeits­leis­tun­gen mit dem­sel­ben Min­des­t­ent­gelt­satz zu ver­gü­ten wie Arbeits­leis­tun­gen wäh­rend der Voll­ar­beits­zeit. Soweit im Rah­men der Leis­tungs­er­brin­gung die pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten der Grund­pfle­ge über­wie­gen, sei der Anwen­dungs­be­reich der Min­des­t­ent­geltre­ge­lun­gen gem. § 1 Abs. 3 Pfle­ge­ArbbV eröff­net. Dann sei­en auch ande­re Tätig­kei­ten wie etwa sol­che der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung mit dem Min­des­t­ent­gelt­satz zu ver­gü­ten. Ledig­lich soweit die Klä­ge­rin auch für Pau­sen­zei­ten in einem Umfang von zwei Stun­den am Tag Ver­gü­tung begehr­te, wur­de die Kla­ge abge­wie­sen.

Die Ent­schei­dung betrifft nur Bereit­schafts­diens­te und nicht die Ruf­be­reit­schaft. Beim Bereit­schafts­dienst muss sich der Arbeit­neh­mer an einem vom Arbeit­ge­ber bestimm­ten Ort auf­hal­ten, um im Bedarfs­fall sei­ne Arbeit unver­züg­lich auf­neh­men zu kön­nen. Bei der Ruf­be­reit­schaft dage­gen kann sich der Arbeit­neh­mer außer­halb des Arbeits­or­tes auf­hal­ten, muss aber auf „Abruf” sobald als mög­lich zur Arbeit erschei­nen.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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