(Stutt­gart) Die Grün­dung einer kon­zern­ei­ge­nen „Arbeit­neh­mer-Über­las­sungs­ge­sell­schaft“, deren Rege­lun­gen dar­auf gerich­tet sind, das Ver­gü­tungs­ni­veau bei den Kon­zern­schwes­tern zu unter­schrei­ten und so Per­so­nal­kos­ten ein­zu­spa­ren, ver­stösst gegen das Arbeit­neh­mer-Über­las­sungs­ge­setz.

Dies, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA – Ver­band deut­scher Arbeits­recht­An­wäl­te e. V., Stutt­gart, sei die Kon­se­quenz zwei­er soeben ver­öf­fent­lich­ter Ent­schei­dun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein (LAG AZ.: 3 TaBV 08/08 und    3 TaBV 12/08), die jedoch noch nicht rechts­kräf­tig sei­en, da das Gericht wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung des Fal­les die Rechts­be­schwer­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen habe, die auch ein­ge­legt wor­den sei. In dem aus­geur­teil­ten Fall hat­te ein Kon­zern eine kon­zern­in­ter­ne „Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­sell­schaft“  gegrün­det, die aus­ser den zu über­las­sen­den Mit­ar­bei­tern kei­ne wei­te­ren Mit­ar­bei­ter beschäf­tig­te. Die Arbeit­neh­mer­über­las­sung soll­te nach den vor­ge­nom­me­nen Rege­lun­gen nur an kon­zern­ei­ge­ne Fir­men erfol­gen. Dabei wur­den der Ent­leih­fir­ma zen­tra­le Rech­te wie die Befug­nis zur Ein­stel­lung oder Kün­di­gun­gen von Arbeit­neh­mern ein­ge­räumt, die gene­rell zu schlech­te­ren Bedin­gun­gen als die ande­ren kon­zern­ei­ge­nen Beschäf­tig­ten ein­ge­stellt wer­den soll­ten.

Hier­in, so Henn, sah der Betriebs­rat einen Ver­stoss gegen die Bestim­mun­gen des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes und ver­wei­ger­te sei­ne Zustim­mung zur Ein­stel­lung von Leih­ar­beit­neh­mern an das gegrün­de­te Ent­leih­un­ter­neh­men. Auch des­sen Anträ­ge auf gericht­li­che Erset­zung der Zustim­mung blie­ben bei Gericht erfolg­los. Zur Begrün­dung habe das LAG dar­auf ver­wie­sen, dass der Betriebs­rat nach den Vor­schrif­ten des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes sei­ne Zustim­mung ver­wei­gern kann, wenn die Ein­stel­lung auf „Basis uner­laub­ter gewerbs­mäs­si­ger Arbeit­neh­mer­über­las­sung“ erfol­gen soll. Hier­bei kom­me es ent­schei­dend dar­auf an, dass die Arbeit­neh­mer nicht nur vor­über­ge­hend, son­dern „dau­er­haft“ dem ande­ren Arbeit­ge­ber über­las­sen wer­den soll­ten. Fer­ner betrach­te­te das LAG die geplan­te Arbeit­neh­mer­über­las­sung  auch als „gewerbs­mäs­sig“, da der abge­schlos­se­ne „Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag“ sonst über­flüs­sig sei.

Der­ar­ti­ge Gestal­tun­gen, so betont auch der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA, sind – wie es das LAG auch hier im übri­gen fest­ge­stellt habe – in der Regel schon des­we­gen „rechts­miss­bräuch­lich“, weil die ver­trag­li­chen und unter­neh­mens­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Kon­zern und Ent­lei­her nur dar­auf aus­ge­rich­tet sei­en, mit­tels einer ansons­ten selbst nicht tätig wer­den­den Ent­leih­fir­ma das vor­han­de­ne Ver­gü­tungs­ni­veau bei den Kon­zern­schwes­tern zu unter­schrei­ten, um so für die Zukunft Per­so­nal­kos­ten ein­zu­spa­ren. Die Arbeits­rechts­ex­per­ten warn­ten daher in die­sem Zusam­men­hang davor, mit­tels „Papier­ti­gern“ – so hat­te der Betriebs­rat die Ver­ein­ba­run­gen in dem Gerichts­ver­fah­ren bezeich­net – Umge­hun­gen des bestehen­den Lohn­ni­veaus in einem Unter­neh­men vor­neh­men zu wol­len.

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