(Stutt­gart) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat am 22.04.2010 über die  Neu­be­rech­nung des Ver­gleichs­ent­gelts bei Allein­er­zie­hen­den nach Been­di­gung des Grund­wehr- oder Zivil­diens­tes ihres Soh­nes ent­schie­den.   

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 22. April 2010 — 6 AZR 966/08.

Im Ver­gü­tungs­sys­tem des BAT waren fami­li­en­stands- und kin­der­be­zo­ge­ne Ent­gelt­be­stand­tei­le vor­ge­se­hen. Allein­er­zie­hen­de erhiel­ten sowohl den fami­li­en­stands­be­zo­ge­nen Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 als auch den kin­der­be­zo­ge­nen Orts­zu­schlag der Stu­fe 3, wenn sie ihr Kind in ihre Woh­nung auf­ge­nom­men hat­ten, ihm Unter­halt gewähr­ten und Kin­der­geld für die­ses Kind bezo­gen. Leis­te­te das Kind Grund­wehr- oder Zivil­dienst, ent­fiel für die­se Zeit der Anspruch auf sol­che Ent­gelt­be­stand­tei­le. Allein­er­zie­hen­de Ange­stell­te, deren Söh­ne im für die Über­lei­tung in den Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) maß­geb­li­chen Monat Okto­ber 2006 Grund­wehr- oder Zivil­dienst leis­te­ten, wur­den dar­um gemäß § 5 Abs. 2 des Tarif­ver­trags zur Über­lei­tung der Beschäf­tig­ten der Län­der in den TV‑L und zur Rege­lung des Über­gangs­rechts (TVÜ-Län­der) mit dem Orts­zu­schlag der Stu­fe 1 in das neue Ver­gü­tungs­sys­tem über­ge­lei­tet. Nach Been­di­gung des Grund­wehr- oder Zivil­diens­tes wur­de bei Wie­der­auf­le­ben des Kin­der­geld­an­spruchs zwar der kin­der­be­zo­ge­ne Ent­gelt­be­stand­teil von rund 90,00 Euro brut­to als Besitz­stands­zu­la­ge gezahlt. Der fami­li­en­stands­be­zo­ge­ne Ver­gü­tungs­be­stand­teil von rund 100,00 Euro brut­to monat­lich ent­fiel jedoch dau­er­haft, weil § 5 TVÜ-Län­der kei­ne Neu­be­rech­nung des Ver­gleichs­ent­gelts bei Ände­run­gen, die nach dem bis­he­ri­gen Tarif­recht zu einem höhe­ren oder nied­ri­ge­ren Orts­zu­schlag geführt hät­ten, vor­sieht. Die damit ver­bun­de­ne Benach­tei­li­gung von allein­er­zie­hen­den Eltern­tei­len von grund­wehr- oder zivil­dienst­leis­ten­den Söh­nen ver­stößt gegen Art. 3 Abs. 1 GG.

Der Klä­ger ist als Ange­stell­ter beim beklag­ten Land beschäf­tigt. Er erzog sei­nen am 5. Janu­ar 1987 gebo­re­nen Sohn allein, der vom 1. April bis zum 31. Dezem­ber 2006 sei­nen Grund­wehr­dienst ableis­te­te und danach ein Stu­di­um begann. Der Klä­ger begehrt die Neu­be­rech­nung des Ver­gleichs­ent­gelts unter Berück­sich­ti­gung des Orts­zu­schlags der Stu­fe 2 mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2007 und die Zah­lung der sich dar­aus erge­ben­den Ent­gelt­dif­fe­renz.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg, betont Henn.

Die tarif­li­che Rege­lung benach­tei­ligt allein­er­zie­hen­de Ange­stell­te, deren Söh­ne im für die Berech­nung des Ver­gleichs­ent­gelts maß­geb­li­chen Monat Okto­ber 2006 der in Art. 12a GG gere­gel­ten all­ge­mei­nen staats­bür­ger­li­chen Pflicht zum Wehr- oder Ersatz­dienst nach­ka­men, gegen­über allein­er­zie­hen­den Eltern­tei­len von Töch­tern sowie von Söh­nen, die nicht wehr­taug­lich waren oder tat­säch­lich nicht zum Wehr­dienst bzw. Zivil­dienst her­an­ge­zo­gen wur­den. Die­se Benach­tei­li­gung ist sach­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Des­halb muss für allein­er­zie­hen­de Ange­stell­te, deren Söh­ne im Okto­ber 2006 Grund­wehr- oder Zivil­dienst leis­te­ten, das Ver­gleichs­ent­gelt für die Zeit ab Been­di­gung die­ses Diens­tes neu berech­net wer­den, wenn ohne den Grund­wehr- oder Zivil­dienst im Okto­ber 2006 noch die tarif­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 erfüllt gewe­sen wären. Der Senat hat die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, um die­se Vor­aus­set­zung zu klä­ren. 

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.     

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