Nach § 109 Abs. 2 GewO muss das Zeug­nis klar und ver­ständ­lich for­mu­liert sein (Grund­satz der Zeug­nis­klar­heit).

Des­halb darf das Zeug­nis kei­ne For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten, die eine ande­re als die aus der äuße­ren Form oder aus dem Wort­laut ersicht­li­che Aus­sa­ge über den Arbeit­neh­mer tref­fen. Wei­ter­hin muss das erteil­te Zeug­nis Leis­tung und Sozi­al­ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers bei wohl­wol­len­der Beur­tei­lung zutref­fend wie­der­ge­ben (Grund­satz der Zeug­nis­wahr­heit). Der wei­te­re not­wen­di­ge Zeug­nis­in­halt bestimmt sich nach dem Zeug­nis­brauch. Die­ser kann nach Bran­chen und Berufs­grup­pen unter­schied­lich sein. Lässt ein erteil­tes Zeug­nis hier­nach übli­che For­mu­lie­run­gen ohne sach­li­che Recht­fer­ti­gung aus, hat der Arbeit­neh­mer Anspruch auf Ergän­zung. Die Aus­las­sung eines bestimm­ten Inhalts, der von einem ein­stel­len­den Arbeit­ge­ber in einem Zeug­nis erwar­tet wird, kann ein unzu­läs­si­ges Geheim­zei­chen sein.

Der Klä­ger war von Febru­ar 1993 bis März 2003 als Redak­teur bei der von der Beklag­ten her­aus­ge­ge­be­nen Tages­zei­tung tätig. Mit Datum vom 31. März 2003 erteil­te die Beklag­te dem Klä­ger ein qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis. Der Klä­ger macht ua. gel­tend, im erteil­ten Zeug­nis feh­le die Her­vor­he­bung sei­ner Belast­bar­keit in Stress­si­tua­tio­nen.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Der Neun­te Senat hat das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Es wird auf­zu­klä­ren haben, ob die Behaup­tung des Klä­gers zutrifft, für Tages­zei­tungs­re­dak­teu­re sei die Her­vor­he­bung die­ser Belast­bar­keit im Zeug­nis üblich. Die Aus­las­sung sei ein Geheim­zei­chen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. August 2008 — 9 AZR 632/07 -
Vor­in­stanz: Säch­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 30. Novem­ber 2006 — 6 Sa 963/05 -