(Stutt­gart) Der 4. Senat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat soeben die Kla­ge eines Piz­za-Lie­fer­diens­tes gegen die All­ge­mein­ver­bin­di­cherklä­rung eines Tarif­ver­tra­ges für das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be abge­wie­sen.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts (OVG) für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 20.11.2012 zu sei­nen Urteil vom 16.11.2012 – Az. 4 A 46/11.

Im Sep­tem­ber 2008 hat­te der dama­li­ge Arbeits­mi­nis­ter des Lan­des NRW einen im Febru­ar 2008 zwi­schen der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) und dem Deut­schen Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band NRW (DEHOGA NRW) geschlos­se­nen Ent­gelt­ta­rif­ver­trag für die unte­ren Lohn­grup­pen für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Infol­ge­des­sen muss­ten auch Arbeit­ge­ber der Hotel- und Gast­stät­ten­bran­che, die nicht im DEHOGA NRW orga­ni­siert sind, ihren Beschä­tig­ten min­des­tens den Tarif­lohn zah­len.

Vor­aus­set­zung für eine All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung ist, dass die tarif­ge­bun­de­nen Arbeit­ge­ber (d.h. hier die Mit­glieds­be­trie­be des DEHOGA NRW) min­des­tens 50% der unter den Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­trags fal­len­den Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen und die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung im öffent­li­chen Inter­es­se liegt. Der Klä­ger, der nicht Mit­glied des DEHOGA NRW ist, hielt die­se Vor­aus­set­zun­gen für nicht gege­ben und die Ver­pflich­tung, nach Tarif zu ent­loh­nen, für unzu­läs­sig. Tat­säch­lich zahl­te er sei­nen Beschäf­tig­ten den tarif­li­chen Stun­den­lohn von 6,30 Euro bzw. 7,22 Euro nicht. Viel­mehr klag­te er gegen das Land Nord­rhein-West­fa­len auf die gericht­li­che Fest­stel­lung, dass die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung unwirk­sam sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te der Kla­ge ent­spro­chen. Auf die Beru­fung des beklag­ten Lan­des wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len die Kla­ge jetzt ab, so von Bre­dow.

Der 4. Senat hielt die Kla­ge nach den kon­kre­ten Umstän­den bereits für unzu­läs­sig. Der Klä­ger habe nicht deut­lich machen kön­nen, dass von der aus­ge­lau­fe­nen All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung für ihn noch nach­tei­li­ge Wir­kun­gen aus­ge­hen könn­ten. Im Hin­blick auf kon­kret nicht abseh­ba­re Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Mit­ar­bei­tern über die Höhe der Ent­loh­nung sei Rechts­schutz durch die Arbeits­ge­rich­te gewähr­leis­tet. Falls er noch Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge auf der Grund­la­ge des Tarif­lohns nach­ent­rich­ten müs­se, kön­ne er dage­gen vor den Sozi­al­ge­rich­ten kla­gen. Unab­hän­gig davon sei die Kla­ge unbe­grün­det. Nach allen vor­lie­gen­den Daten, ins­be­son­de­re aus den sta­tis­ti­schen Jahr­bü­chern und den Sta­tis­ti­ken der Bun­des­agen­tur für Arbeit hät­ten die damals etwa 18.500 Mit­glieds­un­ter­neh­men des DEHOGA NRW im Sep­tem­ber 2008 min­des­tens 50 % der Arbeit­neh­mer im Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be in Nord­rhein-West­fa­len beschäf­tigt. Zudem habe der Arbeits­mi­nis­ter zu Recht anneh­men dür­fen, für die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung bestehe ein öffent­li­ches Bedürf­nis.

Das Ver­fah­ren betraf die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung eines zwi­schen März 2008 und Juni 2010 gel­ten­den Tarif­ver­tra­ges. Gegen­wär­tig ist beim Arbeits­mi­nis­te­ri­um NRW ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren für den im Mai 2012 geschlos­se­nen aktu­el­len Ent­gelt­ta­rif­ver­trag für das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be anhän­gig.

Der Senat hat die Revi­si­on nicht zuge­las­sen. Dage­gen ist Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mög­lich, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schei­det.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.
 

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
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