(Stutt­gart) In einer Ent­schei­dung vom 18.03.2010 hat­te sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit der Fra­ge zu beschäf­ti­gen, ob der kin­der­be­zo­ge­ne Bestand­teil des Orts­zu­schlags auch bei einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft zu gewäh­ren ist.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Beson­de­re Arten von Arbeits­ver­hält­nis­sen“ des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 18. März 2010 — 6 AZR 156/09. 

Im Ver­gü­tungs­sys­tem des BAT waren kin­der­be­zo­ge­ne Ent­gelt­be­stand­tei­le vor­ge­se­hen. Vor­aus­set­zung für den Anspruch dar­auf war nach § 29 Abschn. B Abs. 3 BAT ein Anspruch auf Kin­der­geld. Für die­sen wer­den gem. § 63 Abs. 1 EStG auch vom Berech­tig­ten in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­me­ne Kin­der sei­nes Ehe­gat­ten berück­sich­tigt. Die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft ist aller­dings kei­ne Ehe. Dar­um stand nach dem Tarif­recht Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes, die Kin­der ihres ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ners in ihren Haus­halt auf­nah­men, kein Anspruch auf den kin­der­be­zo­ge­nen Bestand­teil im Orts­zu­schlag zu. Inso­weit benach­tei­lig­te jedoch § 29 Abschn. B Abs. 3 BAT ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner gleich­heits­wid­rig und war des­halb gem. Art. 3 Abs. 1 GG unwirk­sam.

Die Klä­ge­rin ist als Leh­re­rin beim beklag­ten Frei­staat beschäf­tigt. Seit dem 3. Juni 2005 hat sie eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft begrün­det. Im gemein­sa­men Haus­halt woh­nen auch die bei­den leib­li­chen Kin­der der Lebens­part­ne­rin der Klä­ge­rin. Mit ihrer Kla­ge begehrt die Klä­ge­rin den kin­der­be­zo­ge­nen Bestand­teil des Orts­zu­schlags von 167,56 Euro brut­to monat­lich für die Zeit seit ihrer Ver­part­ne­rung.

Ihre Kla­ge hat­te wie in den Vor­in­stan­zen vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg, betont von Bre­dow. 

Der kin­der­be­zo­ge­ne Bestand­teil im Orts­zu­schlag wur­de im Hin­blick auf die aus der Erzie­hung und Betreu­ung von Kin­dern fol­gen­de finan­zi­el­le Belas­tung auch für in den Haus­halt auf­ge­nom­me­ne Kin­der des Ehe­gat­ten gewährt, weil mit die­ser Auf­nah­me ein fami­liä­res Betreu­ungs- und Erzie­hungs­ver­hält­nis begrün­det wur­de. Aus­ge­hend von die­sem Zweck gab es kei­ne sach­li­chen Grün­de, die es recht­fer­tig­ten, den kin­der­be­zo­ge­nen Bestand­teil im Orts­zu­schlag für in den Haus­halt auf­ge­nom­me­ne Kin­der der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ne­rin zu ver­sa­gen. Seit ihrer Über­lei­tung in den Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) zum 1. Novem­ber 2006 hat die Klä­ge­rin Anspruch auf die die­sen Ent­gelt­be­stand­teil sichern­de Besitz­stands­zu­la­ge.

Der Sechs­te Senat hat am sel­ben Tag einem nach Aus­tra­li­en ent­sand­ten, in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft leben­den Ange­stell­ten des Goe­the-Insti­tuts einen nach der tarif­li­chen Rege­lung nur an Ver­hei­ra­te­te zu zah­len­den Aus­lands­zu­schlag zuge­spro­chen, weil auch inso­weit ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner gegen­über Ehe­leu­ten gleich­heits­wid­rig benach­tei­ligt wer­den. Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. März 2010 — 6 AZR 434/07 –


Von Bre­dow emp­fahl, bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies. 

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