(Stutt­gart) Nach § 287 Abs. 1 ZPO ent­schei­det das Gericht unter Wür­di­gung aller Umstän­de nach frei­er Über­zeu­gung, ob ein Scha­den ent­stan­den ist und wie hoch die­ser ist. Die Ent­schei­dung obliegt in ers­ter Linie den Tat­sa­chen­ge­rich­ten und kann revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüft wer­den.

Für die Schät­zung eines Scha­dens benö­tigt der Rich­ter greif­ba­re Anhalts­punk­te; eine völ­lig abs­trak­te Berech­nung des Scha­dens lässt § 287 Abs. 1 ZPO grund­sätz­lich nicht zu. Eine Schät­zung darf nicht voll­kom­men „in der Luft hän­gen“. 

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 26.09.2012 zu sei­nen Urteil vom sel­ben Tage. Az. 10 AZR 370/10. 

Die Klä­ge­rin befasst sich mit dem Bau von Ver­kehrs­we­gen. Im April 2005 wur­de über das Ver­mö­gen ihrer frü­he­ren Mut­ter­ge­sell­schaft das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Die Geschäfts­an­tei­le der Klä­ge­rin wur­den an einen ande­ren Bau­kon­zern ver­äu­ßert. Auch die Beklag­te war am Erwerb der Klä­ge­rin inter­es­siert gewe­sen. Sie grün­de­te nach Schei­tern der Ver­hand­lun­gen eine eige­ne Gesell­schaft für Ver­kehrs­we­ge­bau und schloss mit Füh­rungs­per­so­nal der Klä­ge­rin Arbeits­ver­trä­ge. Im unmit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zusam­men­hang wur­den Daten der Klä­ge­rin genutzt und gelöscht. Die Klä­ge­rin hat der Beklag­ten vor­ge­wor­fen, wett­be­werbs­wid­rig Mit­ar­bei­ter abge­wor­ben zu haben und Scha­dens­er­satz für ein­ge­tre­te­ne Ver­lus­te in den Jah­ren 2005 und 2006 in Höhe von etwa 46 Mio. Euro ver­langt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beklag­te habe sich zwar wett­be­werbs­wid­rig ver­hal­ten. Es feh­le jedoch an greif­ba­ren Anhalts­punk­ten, um den Scha­den schät­zen zu kön­nen. 

Die Revi­si­on der Klä­ge­rin blieb vor dem 10. Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfolg­los, so von Bre­dow. 

Unter Beach­tung des revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fungs­maß­sta­bes ist es nicht zu bean­stan­den, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt man­gels greif­ba­rer Anhalts­punk­te kei­ne Schät­zung eines Scha­dens vor­ge­nom­men und die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, ein hin­rei­chen­der Zusam­men­hang zwi­schen den Abwer­bun­gen und den ein­ge­tre­te­nen Ver­lus­ten sei nicht erkenn­bar gewor­den.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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