(Stutt­gart) Ein GmbH-Geschäfts­füh­rer, der über eine Min­der­heits­be­tei­li­gung an der Gesell­schaft ver­fügt, ist als abhän­gig Beschäf­tig­ter sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig, wenn er zwar für die Fir­ma wesent­li­che Fach­kennt­nis­se und Kun­den­kon­tak­te besitzt, sich jedoch Arbeit­neh­mer­rech­te wie ein lei­ten­der Ange­stell­ter sichert.

Dies, so der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Gerichts vom 10.04.2014 ent­schied das Sozi­al­ge­richt Dort­mund im Fal­le des Geschäfts­füh­rers einer Soft­ware­fir­ma aus dem Enne­pe-Ruhr-Kreis, der einen Gesell­schaf­ter­an­teil von 49,71 % besitzt, ohne über eine umfas­sen­de Sperr­mi­no­ri­tät zu ver­fü­gen — Urteil vom 21.03.2014, Az.: S 34 R 580/13.

Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) Bund hat­te im Rah­men eines Sta­tus­fest­stel­lungs­ver­fah­rens ent­schie­den, dass der Geschäfts­füh­rer als abhän­gig Beschäf­tig­ter ver­si­che­rungs­pflich­tig in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und nach dem Recht der Arbeits­för­de­rung sei.

Die hier­ge­gen von der Fir­ma erho­be­ne Kla­ge hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund als unbe­grün­det abge­wie­sen. Der bei­gela­de­ne Geschäfts­füh­rer übe eine Beschäf­ti­gung im Sin­ne des § 7 Abs 1 SGB IV aus. Er habe allein auf Grund sei­ner Gesell­schaf­ter­rech­te nicht die Mög­lich­keit, sei­ne Wei­sungs­ge­bun­den­heit auf­zu­he­ben. Die Aus­ge­stal­tung sei­nes Anstel­lungs­ver­tra­ges mit Gehalts­ver­ein­ba­rung, Urlaubs­an­spruch, Gehalts­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und ande­ren Neben­leis­tun­gen spre­che für eine typi­sche Beschäf­ti­gung als lei­ten­der Ange­stell­ter. Dies gehe so weit, dass die Ver­trags­par­tei­en Ansprü­che des Geschäfts­füh­rers aus einem vor­an­ge­gan­ge­nen Arbeits­ver­trag fort­schrie­ben.

Die mit der Kla­ge her­aus­ge­stell­te beson­de­re Rol­le des Geschäfts­füh­rers bei der Ent­wick­lung von Soft­ware­pro­duk­ten und der Pfle­ge von Kun­den­kon­tak­ten füh­re zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung. Die bran­chen­spe­zi­fi­schen Kennt­nis­se und Kun­den­kon­tak­te habe der Geschäfts­füh­rer wäh­rend sei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen lang­jäh­ri­gen abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung bei der Klä­ge­rin als Ent­wick­ler erwor­ben. Von daher leuch­te es nicht ein, die­sen Aspekt nun­mehr zur Begrün­dung sei­ner Selb­stän­dig­keit her­an­zu­zie­hen. Auch sei es nicht unüb­lich, dass klei­ne­re Fir­men von dem Fach­wis­sen und den Kun­den­kon­tak­ten lei­ten­der Ange­stell­ter abhän­gig sei­en.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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