(Stutt­gart) Sind Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger pri­vat kran­ken­ver­si­chert, muss der Sozi­al­hil­fe­trä­ger auch die Bei­trä­ge für die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung über­neh­men.

Dies, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in zwei am 13.08.2009 bekannt­ge­ge­be­nen Beschlüs­sen vom 30.06. und 08.07.2009 in zwei Eil­ver­fah­ren ent­schie­den.

Bis­lang hat­ten die zustän­di­gen Trä­ger die Bei­trä­ge „gede­ckelt” und nur die Kos­ten über­nom­men, die für einen gesetz­lich ver­si­cher­ten Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II („Hartz IV”) anfal­len. Auf dem Dif­fe­renz­be­trag blie­ben die Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger sit­zen. Die­se Pra­xis fin­de im Gesetz kei­ne Stüt­ze, so die Rich­ter des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg in den bei­den Beschlüs­sen vom 30. Juni und 8. Juli 2009 (Az.: L 2 SO 2529/09 Er‑B und L 7 SO 2453/09 ER‑B).

Dem Gesetz­ge­ber sei bewusst gewe­sen, dass inso­weit eine Rege­lungs­lü­cke bestehe; das Pro­blem sei aller­dings vor dem Hin­ter­grund der feh­len­den poli­ti­schen Eini­gungs­mög­lich­kei­ten nicht gelöst wor­den. Dem Ver­si­cher­ten als schwächs­tem Glied in der Ket­te kön­ne es nicht zuge­mu­tet wer­den, die Fol­gen die­ser gesetz­ge­be­ri­schen Unzu­läng­lich­keit zu tra­gen. Die­se könn­ten nicht nur in der Beschrän­kung der Ver­sor­gung auf eine Not­ver­sor­gung bei aku­ten Erkran­kun­gen, son­dern auch dar­in bestehen, dass die Ver­si­che­rung mit mög­li­chen Bei­trags­rück­stän­den gegen­über dem Ver­si­cher­ten auf­rech­ne, der jedoch ohne­hin schon mit dem Exis­tenz­mi­ni­mum aus­kom­men müs­se. Jeden­falls in den zur Ent­schei­dung gestan­de­nen Eil­ver­fah­ren wur­de der Grund­si­che­rungs­trä­ger daher ver­ur­teilt, die vol­len Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu über­neh­men.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

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