(Stutt­gart)  Beab­sich­tigt der Arbeit­ge­ber Mas­sen­ent­las­sun­gen, hat er den Betriebs­rat nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG schrift­lich ua. über die Grün­de für die geplan­ten Ent­las­sun­gen zu unter­rich­ten. Ob danach die Unter­rich­tung der Schrift­form iSv. § 126 BGB bedarf, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt noch nicht ent­schie­den.

Hat der Arbeit­ge­ber die von § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG gefor­der­ten Anga­ben in einem nicht unter­zeich­ne­ten Text doku­men­tiert und die­sen dem Betriebs­rat zuge­lei­tet, genügt die abschlie­ßen­de Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats zu den Ent­las­sun­gen, um den even­tu­el­len Schrift­form­ver­stoß zu hei­len.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 30.09.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 155/11.

Über das Ver­mö­gen der Arbeit­ge­be­rin der Klä­ge­rin wur­de am 1. Sep­tem­ber 2009 das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Der Beklag­te schloss mit dem Gesamt­be­triebs­rat am 15. Okto­ber 2009 einen von bei­den Sei­ten unter­zeich­ne­ten Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te für drei Betrie­be des Unter­neh­mens, der die nach § 17 Abs. 2 KSchG erfor­der­li­chen Anga­ben ent­hielt. Der Gesamt­be­triebs­rat erklär­te in dem Inter­es­sen­aus­gleich abschlie­ßend, er sei umfas­send gem. § 17 Abs. 2 KSchG unter­rich­tet wor­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht fest­ge­stellt, dass der Inter­es­sen­aus­gleich sei­tens des Beklag­ten vor der Unter­zeich­nung durch den Gesamt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­den unter­schrie­ben wor­den war. Der Beklag­te füg­te sei­ner anschlie­ßen­den Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge den Inter­es­sen­aus­gleich bei. Nach Ein­gang der Anzei­ge bei der Agen­tur für Arbeit kün­dig­te er das Arbeits­ver­hält­nis mit der Klä­ge­rin am 16. Okto­ber 2009 zum 31. Janu­ar 2010. Die Klä­ge­rin hält die­se Kün­di­gung für unwirk­sam, weil der Gesamt­be­triebs­rat nicht schrift­form­ge­recht iSd. § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG unter­rich­tet wor­den sei.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg, so Henn.

Ein etwai­ger Schrift­form­man­gel der Unter­rich­tung ist durch die abschlie­ßen­de Stel­lung­nah­me des Gesamt­be­triebs­rats im Inter­es­sen­aus­gleich geheilt. Dafür spricht der Zweck des Unter­rich­tungs­er­for­der­nis­ses, das die Richt­li­ni­en­vor­ga­be in Art. 2 Abs. 3 Unter­abs. 1 Buchst. b der Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie 98/59/EG umset­zen soll. Die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung soll nach der Aus­le­gung des EuGH kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge unter­brei­ten kön­nen, um die Mas­sen­ent­las­sung zu ver­hin­dern oder ein­zu­schrän­ken. Die­sem Zweck ist genügt, wenn die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung auf­grund schrift­lich fixier­ter aus­rei­chen­der Anga­ben des Arbeit­ge­bers zu den geplan­ten Ent­las­sun­gen eine abschlie­ßen­de Stel­lung­nah­me abgibt.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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