Dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wer­den gemäß Art. 267 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (AEUV) fol­gen­de Fra­gen vor­ge­legt:
1. Steht Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 4. Novem­ber 2003 über bestimm­te Aspek­te der Arbeits­zeit­ge­stal­tung (Richt­li­nie 2003/88/EG) oder Art. 31 Abs. 2 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on (GRC) einer natio­na­len Rege­lung wie der in § 7 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUr­lG) ent­ge­gen, die als Moda­li­tät für die Wahr­neh­mung des Anspruchs auf Erho­lungs­ur­laub vor­sieht, dass der Arbeit­neh­mer unter Anga­be sei­ner Wün­sche bezüg­lich der zeit­li­chen Fest­le­gung des Urlaubs die­sen bean­tra­gen muss, damit der Urlaubs­an­spruch am Ende des Bezugs­zeit­raums nicht ersatz­los unter­geht, und die den Arbeit­ge­ber damit nicht ver­pflich­tet, von sich aus ein­sei­tig und für den Arbeit­neh­mer ver­bind­lich die zeit­li­che Lage des Urlaubs inner­halb des Bezugs­zeit­raums fest­zu­le­gen?

2. Falls die Fra­ge zu 1. bejaht wird:

Gilt dies auch dann, wenn das Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen Pri­vat­per­so­nen bestand?
Der Klä­ger war vom 1. August 2001 bis zum 31. Dezem­ber 2013 auf­grund meh­re­rer befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge beim Beklag­ten als Wis­sen­schaft­ler beschäf­tigt. Mit Schrei­ben vom 23. Okto­ber 2013 bat ihn der Beklag­te, sei­nen Urlaub vor dem Ende des Arbeits­ver­hält­nis­ses zu neh­men. Der Klä­ger nahm am 15. Novem­ber und am 2. Dezem­ber 2013 jeweils einen Tag Erho­lungs­ur­laub und ver­lang­te mit Schrei­ben vom 23. Dezem­ber 2013 vom Beklag­ten ohne Erfolg die Abgel­tung von 51 nicht genom­me­nen Urlaubs­ta­gen.

Die Vor­in­stan­zen haben der Kla­ge auf Urlaubs­ab­gel­tung statt­ge­ge­ben.

Nach den natio­na­len Bestim­mun­gen waren die Urlaubs­an­sprü­che des Klä­gers mit Ablauf des Urlaubs­jah­res 2013 ver­fal­len. Gemäß § 7 Abs. 3 Satz 1 BUr­lG ver­fällt der im Urlaubs­jahr nicht genom­me­ne Urlaub des Arbeit­neh­mers grund­sätz­lich am Ende des Urlaubs­jah­res, wenn — wie hier — kei­ne Über­tra­gungs­grün­de nach § 7 Abs. 3 Satz 2 BUr­lG vor­lie­gen. Der Arbeit­ge­ber ist nach natio­na­lem Recht nicht ver­pflich­tet, den Urlaub ohne einen Antrag oder Wunsch des Arbeit­neh­mers im Urlaubs­jahr zu gewäh­ren und somit dem Arbeit­neh­mer den Urlaub auf­zu­zwin­gen. Die Fra­ge, ob Uni­ons­recht dem ent­ge­gen­steht, ist vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on noch nicht so ein­deu­tig beant­wor­tet wor­den, dass nicht die gerings­ten Zwei­fel an ihrer Beant­wor­tung bestehen. Im Schrift­tum wird aus dem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 30. Juni 2016 (- C-178/15 — [Sob­c­zy­szyn]) teil­wei­se abge­lei­tet, der Arbeit­ge­ber sei gemäß Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG ver­pflich­tet, den Erho­lungs­ur­laub von sich aus ein­sei­tig zeit­lich fest­zu­le­gen. Ein Teil der natio­na­len Recht­spre­chung ver­steht die Aus­füh­run­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on im Urteil vom 12. Juni 2014 (- C-118/13 -[Boll­a­cke]) so, dass der Min­dest­jah­res­ur­laub gemäß Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG auch dann nicht mit Ablauf des Urlaubs­jah­res oder des Über­tra­gungs­zeit­raums ver­fal­len darf, wenn der Arbeit­neh­mer in der Lage war, sei­nen Urlaubs­an­spruch wahr­zu­neh­men (vgl. LAG Köln 22. April 2016 — 4 Sa 1095/15 -) .

Fer­ner besteht Klä­rungs­be­darf, ob die vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on mög­li­cher­wei­se aus Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG oder Art. 31 Abs. 2 GRC ent­nom­me­ne Ver­pflich­tung zwi­schen Pri­vat­per­so­nen unmit­tel­ba­re Wir­kung ent­fal­tet.

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