Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat dem Euro­päi­schen Gerichts­hof meh­re­re Aus­le­gungs­fra­gen im Zusam­men­hang mit einer Mas­sen­ent­las­sung von Beschäf­tig­ten der Flug­gast­ab­fer­ti­gung vor­ge­legt.
Hier­zu regelt § 17 Absatz 2 Satz 2 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz in Umset­zung der Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie* eine Pflicht zur Bera­tung zwi­schen Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat über Mög­lich­kei­ten, anste­hen­de Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den. Wei­ter sieht § 17 Absatz 3a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz Aus­kunfts-, Bera­tungs- und Anzei­ge­pflich­ten auch dann vor, wenn die Ent­schei­dung über die Ent­las­sun­gen von einem den Arbeit­ge­ber beherr­schen­den Unter­neh­men getrof­fen wur­de. Der Arbeit­ge­ber kann sich hier­nach nicht dar­auf beru­fen, dass das für die Ent­las­sun­gen ver­ant­wort­li­che Unter­neh­men die not­wen­di­gen Aus­künf­te nicht über­mit­telt habe.
In den beim Lan­des­ar­beits­ge­richt anhän­gi­gen Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren machen die Arbeit­neh­mer gel­tend, die­ses Ver­fah­ren der Bera­tung mit dem Betriebs­rat sei nicht wie vor­ge­se­hen durch­ge­führt wor­den. Der Betriebs­rat sei über die als Kün­di­gungs­grund genann­te Still­le­gung des Betrie­bes nicht hin­rei­chend infor­miert wor­den. Hier könn­ten im Rah­men eines arbeit­ge­ber­sei­ti­gen Netz­wer­kes mit unter­schied­li­chen Toch­ter- und Leih­ar­beits­fir­men Auf­trä­ge belie­big ver­la­gert wer­den. Ohne nähe­re Infor­ma­tio­nen auch über dies­be­züg­li­che Ein­flüs­se und Hin­ter­grün­de kön­ne der Betriebs­rat nicht ernst­haft über eine Ver­mei­dung der Mas­sen­ent­las­sun­gen ver­han­deln. Des­halb sei­en die aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gun­gen unwirk­sam.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Euro­päi­schen Gerichts­hof gemäß § 267 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen zum Ver­ständ­nis des Begriffs des beherr­schen­den Unter­neh­mens und hier bestehen­den Aus­kunfts­pflich­ten vor­ge­legt. Es sei bis­her nicht geklärt, ob eine “Ent­schei­dung über die Mas­sen­ent­las­sun­gen” nur die unmit­tel­ba­re Ent­schei­dung oder auch eine mit­tel­ba­re Ent­schei­dung sei, die ein abhän­gi­ges Unter­neh­men zur Vor­nah­me von Ent­las­sun­gen bewe­ge. Eben­so sei bis­her nicht geklärt, ob nur ein Unter­neh­men, des­sen Ein­fluss über Betei­li­gun­gen und Stimm­rech­te abge­si­chert ist als beherr­schen­des Unter­neh­men anzu­se­hen sei oder ob auch ein ver­trag­lich oder fak­tisch, abge­si­cher­ter Ein­fluss zum Bei­spiel über Wei­sungs­mög­lich­kei­ten natür­li­cher Per­so­nen aus­rei­che. Wei­ter sei klä­rungs­be­dürf­tig, wel­che Infor­ma­tio­nen in sol­chen Fäl­len erteilt wer­den müss­ten, damit der Betriebs­rat tat­säch­lich in die Lage ver­setzt wer­de, sinn­voll über eine Ver­mei­dung von Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­han­deln.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschlüs­se vom 24.11.2016, Az. 10 Sa 284/16, 10 Sa 490/16, 10 Sa 491/16.
- Richt­li­nie 98/59/EG des Rates vom 20. Juli 1998 zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen

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