(Stutt­gart)  Eine sys­te­ma­ti­sche Mani­pu­la­ti­on von Zeit­er­fas­sungs­da­ten erweist sich als schwer­wie­gen­de arbeits­ver­trag­li­che Pflicht­ver­let­zung, die grund­sätz­lich geeig­net ist, eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA  — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein vom 9. Juni 2011 zu sei­nem Urteil vom 29.03.2011 — (2 Sa 533/10).

Im Unter­neh­men der Beklag­ten, einem Neu­müns­te­ra­ner Auto­haus und Werk­statt­be­trieb, arbei­ten die Mon­teu­re, so auch der Klä­ger, u.a. im Leis­tungs­lohn, der nach soge­nann­ten fest­ge­leg­ten Arbeits­wer­ten (AW) pro Stun­de abge­rech­net wird. Für die­se Arbei­ten müs­sen sich die Arbeit­neh­mer jeweils in ein Zeit­er­fas­sungs­sys­tem eins­tem­peln. 12 Arbeits­wer­te pro Stun­de ent­spre­chen dabei 100 %. Sofern an den Auf­trags­ar­bei­ten ein Aus­zu­bil­den­der mit­ar­bei­tet, erhöht sich der AW auf 14 bzw. 16 AW je Stun­de. Am 12.03.2010 wies der Werk­statt­lei­ter den 58-jäh­ri­gen und seit 1978 bei der Beklag­ten beschäf­tig­ten Klä­ger an, einen Ölwech­sel an einem Fahr­zeug mit 9 AW, ent­spre­chend 45 Minu­ten zu erle­di­gen. Um die Ver­klei­dung des auf der Hebe­büh­ne ste­hen­den Autos abschrau­ben zu kön­nen, rief der Klä­ger einen Aus­zu­bil­den­den hin­zu, der die Ver­klei­dung wäh­rend des Schrau­bens hal­ten soll­te. Die­se Hil­fe­stel­lung dau­er­te eine Minu­te. Der Klä­ger wies den Aus­zu­bil­den­den an, sich für die­se kur­ze Zeit nicht in das Zeit­er­fas­sungs­sys­tem ein­zu­stem­peln. Die­sen Vor­fall nahm die Beklag­te zum Anlass einer frist­lo­sen, hilfs­wei­se frist­ge­rech­ten Kün­di­gung.

Das Arbeits­ge­richt hat der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Beru­fung der Beklag­ten blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ohne Erfolg, so Klar­mann.

Zur Begrün­dung führ­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus, dass ein sys­te­ma­ti­scher Miss­brauch der Zeit­er­fas­sung grund­sätz­lich einen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung dar­stel­len kann. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeit­neh­mer einen Ande­ren anweist, die Zeit­er­fas­sung zu mani­pu­lie­ren, um selbst eine höhe­re Ver­gü­tung zu erzie­len. Das gerüg­te Ver­hal­ten des Klä­gers am 12.03.2010 ist indes­sen eine ver­hält­nis­mä­ßig gering­fü­ge Ver­let­zung, da der Aus­zu­bil­den­de den Klä­ger nur eine Minu­te unter­stützt hat. Soweit sich die Beklag­te dar­auf beruft, dass der Klä­ger in der Anhö­rung erklärt habe, immer so zu ver­fah­ren, kann dar­aus nicht geschluss­fol­gert wer­den, dass der Klä­ger die Aus­zu­bil­den­den stets dar­an gehin­dert hat, in den Leis­tungs­lohn umzu­stem­peln. Die Beklag­te hat zudem kei­ne prä­zi­sen Anwei­sun­gen zum Eins­tem­peln in die ver­schie­de­nen Arbei­ten erteilt.

Klar­mann emp­fahl, dies beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.    

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