(Stutt­gart) Inter­ne Daten­schutz­be­auf­trag­te unter­fal­len bis zum Ablauf eines Jah­res nach Been­di­gung der Bestel­lung dem beson­de­rem Kün­di­gungs­schutz (§ 4 f Abs. 3 Satz 5,6 BDSG), das Arbeits­ver­hält­nis kann nur durch eine wirk­sa­me frist­lo­se Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund gemäß § 626 BGB been­det wer­den.

Die Akte Bestel­lung und Abbe­ru­fung sind von Abschluss und Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zu tren­nen und grund­sätz­lich unab­hän­gig.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun mit Urteil vom 23.03.2011 – 10 AZR 562/09 — ent­schie­den, so die Ber­li­ner Fach­an­wäl­tin für Arbeits­recht Dr. Alex­an­dra Hen­kel, MM. Mit­glied im VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, dass auch die Bestel­lung zum Daten­schutz­be­auf­trag­ten in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 626 BGB nur aus wich­ti­gem Grund wider­ru­fen wer­den kann und dass weder die Mit­glied­schaft im Betriebs­rat, noch die unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, zukünf­tig die Auf­ga­ben eines Beauf­trag­ten für den Daten­schutz extern zu ver­ge­ben, also out­zu­sour­cen, als wich­ti­ger Grund hier­für genü­gen.

Eine Mit­ar­bei­te­rin wur­de im Jahr 1992 zur Daten­schutz­be­auf­trag­ten des Unter­neh­mens und des­sen Toch­ter­ge­sell­schaft beru­fen, zwei Jah­re spä­ter wur­de die Mit­ar­bei­te­rin auch Mit­glied im Betriebs­rat. Wie­der 14 Jah­re spä­ter beschlos­sen bei­de Unter­neh­men, die Auf­ga­ben des Daten­schutz­be­auf­trag­ten zukünf­tig kon­zern­weit ein­heit­lich durch einen exter­nen Drit­ten wahr­neh­men zu las­sen und wider­rie­fen des­halb die Bestel­lung.

Auf Kla­ge der Mit­ar­bei­te­rin stell­te das BAG fest, so Dr. Hen­kel, dass weder die Argu­men­ta­ti­on, dass das Amt eines Betriebs­ra­tes mit dem Amt eines Daten­schutz­be­auf­trag­ten und des­sen Zuver­läs­sig­keit nicht ver­ein­bar sind, einen wich­ti­gen Grund für den Wider­ruf dar­stel­len, noch die unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung des Out­sour­cings. Der Arbeit­ge­ber sei ledig­lich bei der erst­ma­li­gen Bestel­lung frei, ob er einen inter­nen oder exter­nen Daten­schutz­be­auf­trag­ten bestellt.

Ein ein­mal bestell­ter Daten­schutz­be­auf­trag­ter kann also nur dann abbe­ru­fen wer­den, wenn Grün­de für eine frist­lo­se Kün­di­gung vor­lie­gen, wie z. B. schwe­re Ver­stö­ße, Straf­ta­ten o. ä. Mit Urteil vom 29.09.2010, 10 AZR 588/09, hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den, dass das Amt des Daten­schutz­be­auf­trag­ten im Fall einer Fusi­on zwei­er Kran­ken­kas­sen mit Erlö­schen ihrer Rechts­fä­hig­keit auch endet – eine prak­ti­ka­ble Lösung für die Pra­xis ist eine Fusi­on natür­lich nicht in der Regel, inwie­weit z.B. Betriebs(teil-)stilllegungen als wich­ti­ger Grund aus­rei­chen kön­nen, ist nach der BAG-Ent­schei­dung offen.

Für Arbeit­ge­ber, so betont Dr. Hen­kel, erge­ben sich durch die Bestel­lung exter­ner Daten­schutz­be­auf­trag­ter fol­gen­de Vor­tei­le: 

1. Ver­trags­ver­hält­nis leicht künd­bar — dage­gen ist Abbe­ru­fung und Kün­di­gung von inter­nen Daten­schutz­be­auf­trag­ten nur sehr ein­ge­schränkt mög­lich, spä­te­re Out­sour­cing-Ent­schei­dun­gen ohne Ein­ver­ständ­nis des Betref­fen­den wäh­rend des Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht mehr mög­lich. 

2. Com­pli­an­ce-Gesichts­punk­te: Schlüs­sel­po­si­tio­nen wie Betriebs­rat, lei­ten­de Posi­tio­nen, etc. sind unab­hän­gig – kei­ne Inter­es­sen­kol­li­si­on mög­lich, son­dern unab­hän­gi­ge Instanz.

3. Betreu­ung meh­re­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten mög­lich ohne Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ri­si­ko. 

4. Umfas­sen­de Haf­tung als (Werk-)Dienstleister gegen­über ein­ge­schränk­ter Haf­tung von Arbeit­neh­mer-Daten­schutz­be­auf­trag­ten nach Recht­spre­chung der Arbeits­ge­rich­te – auf aus­rei­chen­de Ver­si­che­rung der Exter­nen ach­ten!

Dr. Hen­kel emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei sie u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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