Die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung vom 4. Mai 2016 des Tarif­ver­trags über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be ist rechts­wirk­sam.

Auf Antrag der Tarif­ver­trags­par­tei­en des Bau­ge­wer­bes hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les (BMAS) am 4. Mai 2016 nach § 5 TVG* den Tarif­ver­trag über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be (VTV) vom 3. Mai 2013 in der Fas­sung vom 24. Novem­ber 2015 mit bereits im Antrag ent­hal­te­nen Ein­schrän­kun­gen bezüg­lich des betrieb­li­chen Gel­tungs­be­reichs („Gro­ße Ein­schrän­kungs­klau­sel“) für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt.

Der für all­ge­mein­ver­bind­lich erklär­te VTV regelt das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be. Bei den Sozi­al­kas­sen des Bau­ge­wer­bes (SOKA-BAU) han­delt es sich um gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen der Tarif­ver­trags­par­tei­en des Bau­ge­wer­bes (Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt — IG BAU -, Haupt­ver­band der Deut­schen Bau­in­dus­trie e. V. — HDB — und Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bau­ge­wer­bes e. V. — ZDB -). Die Urlaubs- und Lohn­aus­gleichs­kas­se erbringt Leis­tun­gen im Urlaubs- und Berufs­bil­dungs­ver­fah­ren. Zur Finan­zie­rung die­ser Leis­tun­gen wer­den nach Maß­ga­be des VTV Bei­trä­ge von den Arbeit­ge­bern erho­ben. Durch die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung gel­ten die Tarif­ver­trä­ge nicht nur für die tarif­ge­bun­de­nen Mit­glie­der der Tarif­ver­trags­par­tei­en, son­dern auch für alle ande­ren Arbeit­ge­ber der Bran­che. Sie sind ver­pflich­tet, die tarif­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen ein­zu­hal­ten und Bei­trä­ge an die Sozi­al­kas­sen zu leis­ten. Sowohl die Arbeit­ge­ber als auch die Arbeit­neh­mer erhal­ten Leis­tun­gen von den Sozi­al­kas­sen.

Bei der Antrag­stel­le­rin han­delt es sich um eine Arbeit­ge­be­rin, die nicht Mit­glied einer tarif­ver­trags­schlie­ßen­den Arbeit­ge­ber­ver­ei­ni­gung ist und des­halb nur auf der Grund­la­ge der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung zu Bei­trags­zah­lun­gen her­an­ge­zo­gen wur­de. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung sei unwirk­sam.

Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de hat­te vor dem Zehn­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg. Die ange­grif­fe­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung des VTV vom 4. Mai 2016 ist wirk­sam. Die von § 5 TVG begrün­de­ten Vor­aus­set­zun­gen waren erfüllt. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen § 5 TVG neu­er Fas­sung hat der Senat nicht. Ver­nünf­ti­ge Zwei­fel an der Tarif­fä­hig­keit oder der Tarif­zu­stän­dig­keit der Tarif­ver­trags­par­tei­en des Bau­ge­wer­bes bestan­den nicht. Das BMAS durf­te anneh­men, dass der Erlass der ange­grif­fe­nen All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung im öffent­li­chen Inter­es­se gebo­ten erschien.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=pm&Datum=2018&nr=21540&pos=1&anz=64&titel=Allgemeinverbindlicherkl%E4rung_vom_4._Mai_2016_des_Tarifvertrags_%FCber_das_Sozialkassenverfahren_im_Baugewerbe_ist_wirksam