(Stutt­gart) Aus­bil­den­de haben Aus­zu­bil­den­den gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 BBiG eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung zu gewäh­ren. Maß­geb­lich für die Ange­mes­sen­heit ist die Ver­kehrs­an­schau­ung. Wich­tigs­ter Anhalts­punkt für die­se sind die ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trä­ge. Eine Aus­bil­dungs­ver­gü­tung ist in der Regel nicht mehr ange­mes­sen, wenn sie die in einem ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trag gere­gel­te um mehr als 20 vH unter­schrei­tet.

Han­delt es sich bei dem Aus­bil­den­den um eine gemein­nüt­zi­ge juris­ti­sche Per­son, recht­fer­tigt allein der Sta­tus der Gemein­nüt­zig­keit es nicht, bei der Prü­fung der Ange­mes­sen­heit der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung von einer Ori­en­tie­rung an den ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trä­gen abzu­se­hen. Eine durch Spen­den Drit­ter finan­zier­te Aus­bil­dungs­ver­gü­tung, die mehr als 20 vH unter den tarif­li­chen Sät­zen liegt, ist aller­dings noch nicht zwin­gend unan­ge­mes­sen. Viel­mehr kann der Aus­bil­den­de die dar­auf gerich­te­te Ver­mu­tung wider­le­gen, indem er dar­legt, dass beson­de­re Umstän­de die nied­ri­ge­re Aus­bil­dungs­ver­gü­tung recht­fer­ti­gen.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 29.04.2015 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 9 AZR 108/14.

Der Beklag­te ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein mit dem Zweck der För­de­rung der qua­li­fi­zier­ten Berufs­aus­bil­dung. Dazu schließt er Berufs­aus­bil­dungs­ver­trä­ge ab. Die Aus­bil­dung der Aus­zu­bil­den­den erfolgt in sei­nen Mit­glieds­be­trie­ben. Der im Sep­tem­ber 1990 gebo­re­ne Klä­ger bewarb sich im Janu­ar 2008 bei einem sol­chen Mit­glieds­un­ter­neh­men um einen Aus­bil­dungs­platz zum Maschi­nen- und Anla­ge­füh­rer. Der Berufs­aus­bil­dungs­ver­trag wur­de mit dem Beklag­ten geschlos­sen. Die Aus­bil­dung erfolg­te in dem Unter­neh­men, bei dem sich der Klä­ger bewor­ben hat­te. Die­ser erhielt wäh­rend des Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses vom 1. Sep­tem­ber 2008 bis zum 7. Febru­ar 2012 nur ca. 55 vH der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung nach den Tarif­ver­trä­gen für die Metall- und Elek­tro­in­dus­trie in Bay­ern. Mit sei­ner Kla­ge ver­langt der Klä­ger auf der Grund­la­ge der tarif­li­chen Aus­bil­dungs­ver­gü­tung die Zah­lung wei­te­rer 21.678,02 Euro brut­to.

Die Kla­ge hat­te in allen drei Instan­zen Erfolg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat mit Recht die Unan­ge­mes­sen­heit der vom Beklag­ten gezahl­ten Aus­bil­dungs­ver­gü­tung fest­ge­stellt und ent­ge­gen der Ansicht des Beklag­ten rechts­feh­ler­frei ange­nom­men, dass die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung auch eine Ent­loh­nung der geleis­te­ten Arbeit dar­stellt. Die­se kam zwar nicht dem Beklag­ten selbst, jedoch sei­nem Mit­glieds­un­ter­neh­men zugu­te. Beson­de­re Umstän­de, die geeig­net sein könn­ten, trotz des Unter­schrei­tens der tarif­li­chen Aus­bil­dungs­sät­ze um fast 50 vH die Ver­mu­tung der Unan­ge­mes­sen­heit der vom Beklag­ten gezahl­ten Aus­bil­dungs­ver­gü­tung zu wider­le­gen, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Der Beklag­te hat sol­che Umstän­de auch nicht dar­ge­tan.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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