(Stutt­gart) Die Rege­lun­gen eines auf ein Arbeits­ver­hält­nis auf­grund ver­trag­li­cher Bezug­nah­me anwend­ba­ren Tarif­ver­trags kom­men nach dem in § 4 Abs. 3 TVG ver­an­ker­ten Güns­tig­keits­prin­zip nur zum Tra­gen, soweit sie gegen­über dem kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Tarif­ver­trag für den Arbeit­neh­mer güns­ti­ger sind.

Dies ist im Wege des sog. Sach­grup­pen­ver­gleichs zu ermit­teln. Ist nach die­sen Maß­stä­ben nicht zwei­fels­frei fest­stell­bar, dass die indi­vi­du­al­ver­trag­li­che Rege­lung für den Arbeit­neh­mer güns­ti­ger ist, ver­bleibt es bei der zwin­gen­den Gel­tung der tarif­li­chen Bestim­mun­gen.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 15.04.2015 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 4 AZR 587/13.

Der Klä­ger, Mit­glied der Gewerk­schaft ver.di, ist bei der Beklag­ten beschäf­tigt. Der Arbeits­ver­trag ver­weist auf die Tarif­ver­trä­ge für die Angestellten/Arbeiter der Deut­schen Bun­des­post TELEKOM (Ost) in ihrer jewei­li­gen Fas­sung. 1995 wur­de das Arbeits­ver­hält­nis auf die Deut­sche Tele­kom AG (DT AG) über­ge­lei­tet. Am 25. Juni 2007 erfolg­te ein Betriebs­über­gang auf die Beklag­te. Am sel­ben Tag schloss die­se mit der Gewerk­schaft ver.di Haus­ta­rif­ver­trä­ge ab, die ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Arbeits­zei­ten (Erhö­hung der betrieb­li­chen Arbeits­zeit von 34 auf 38 Stun­den) sowie der Zusam­men­set­zung und Höhe der Ver­gü­tung von den bei der DT AG gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen abwei­chen. Der Klä­ger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Arbeits­zeit- und Ent­geltre­ge­lun­gen der letzt­ge­nann­ten Tarif­ver­trä­ge sei­en mit Stand des letz­ten Betriebs­über­gangs auf­grund der ver­trag­li­chen Bezug­nah­me auf sein Arbeits­ver­hält­nis wei­ter anzu­wen­den. Die­se Bestim­mun­gen sei­en güns­ti­ger als die kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Tarif­ver­trä­ge der Beklag­ten. Er hat des­halb die Beschäf­ti­gung mit einer Wochen­ar­beits­zeit von 34 Stun­den sowie — für meh­re­re Mona­te des Jah­res 2011 — ins­be­son­de­re die Ver­gü­tung von wöchent­lich vier wei­te­ren Stun­den nebst Zuschlä­gen begehrt.

Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Beru­fung des Klä­gers über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Die Revi­si­on der Beklag­ten vor dem Vier­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts war weit­ge­hend erfolg­reich, wäh­rend die Revi­si­on des Klä­gers zurück­zu­wei­sen war. Zwar fin­den die Tarif­ver­trä­ge der DT AG mit Stand vom 24. Juni 2007 auf­grund der arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­klau­sel auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en wei­ter Anwen­dung. Deren Arbeits­zeit- und Ent­gelt­be­stim­mun­gen sind aber im maß­ge­ben­den Zeit­raum nicht güns­ti­ger als die für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en unmit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­den Tarif­ver­trä­ge der Beklag­ten. Bei dem vor­zu­neh­men­den Sach­grup­pen­ver­gleich kön­nen Arbeits­zeit und das regel­mä­ßig geschul­de­te Arbeits­ent­gelt nicht iso­liert betrach­tet wer­den. Sie bil­den viel­mehr eine ein­heit­li­che Sach­grup­pe. Ändert sich eine der zu ver­glei­chen­den Rege­lun­gen, ist für den betref­fen­den Zeit­ab­schnitt ein erneu­ter Ver­gleich durch­zu­füh­ren. Ist danach — wie im Ent­schei­dungs­fall — im maß­ge­ben­den Zeit­raum nach den nor­ma­tiv gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen sowohl die Arbeits­zeit län­ger als auch das dem Arbeit­neh­mer hier­für zuste­hen­de Monats­ent­gelt höher, ist die ein­zel­ver­trag­li­che Rege­lung nicht zwei­fels­frei güns­ti­ger iSv. § 4 Abs. 3 TVG.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
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