(Stutt­gart) Der Zehn­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat ernst­haf­te Zwei­fel an der Tarif­fä­hig­keit und der Tarif­zu­stän­dig­keit des am Abschluss der Tarif­ver­trä­ge über die För­de­rung der beruf­li­chen Aus­bil­dung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk vom 24. Sep­tem­ber 2012 (TV AKS 2012) und vom 1. Juli 2014 (TV AKS 2014) betei­lig­ten ZDS. § 7 Abs. 2 Satz 2 TV AKS 2012 ist unwirk­sam, soweit Betrie­be ohne Arbeit­neh­mer (sog. Solo­selb­stän­di­ge) Bei­trä­ge an die Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk zah­len müs­sen.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zu sei­nen Beschlüs­se vom 31. Janu­ar 2018 — 10 AZR 60/16 (A), 10 AZR 695/16 (A), 10 AZR 722/16 (A) -.

Bei der Klä­ge­rin han­delt es sich um die vom Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks — Zen­tra­lin­nungs­ver­band (ZIV) — und dem ZDS als Gemein­sa­me Ein­rich­tung gegrün­de­te Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk (AKS). Nach der Sat­zung des ZDS kann „jede/r nicht selb­stän­di­ge Schornsteinfeger/in …, der/die Gesel­len­prü­fung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk bestan­den hat“, Mit­glied wer­den. Selb­stän­di­ge Schorn­stein­fe­ger kön­nen bei­trags­pflich­ti­ge „För­der­mit­glie­der“ des ZDS sein.

Der ZDS und der ZIV haben den TV AKS 2012 und den TV AKS 2014 abge­schlos­sen. Die Wirk­sam­keit der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung bei­der Tarif­ver­trä­ge hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg rechts­kräf­tig fest­ge­stellt. Zweck der AKS ist die För­de­rung der Bereit­stel­lung einer aus­rei­chen­den Anzahl von Aus­bil­dungs­plät­zen und die Sicher­stel­lung einer qua­li­fi­zier­ten Berufs­aus­bil­dung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk. Die Tarif­ver­trä­ge regeln die Höhe der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung. Betrie­be, die Schorn­stein­fe­ger aus­bil­den, haben Anspruch auf Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleich gegen die AKS. Die Tarif­ver­trä­ge regeln fer­ner die Bei­trags- und Aus­kunfts­pflich­ten der Betrie­be gegen­über der AKS. Nach § 7 Abs. 2 Satz 2 TV AKS 2012 beträgt der an die AKS abzu­füh­ren­de Min­dest­bei­trag 800,00 Euro pro Kalen­der­jahr.

Die Beklag­ten sind selb­stän­di­ge Schorn­stein­fe­ger und weh­ren sich dage­gen, Bei­trä­ge an die AKS zu leis­ten. Sie hal­ten die Tarif­ver­trä­ge für unwirk­sam.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Kla­gen der AKS statt­ge­ge­ben. Die Revi­sio­nen der Beklag­ten in den Ver­fah­ren — 10 AZR 60/16, 10 AZR 695/16 und 10 AZR 722/16 -, die im Streit­zeit­raum jeweils min­des­tens einen Arbeit­neh­mer beschäf­tig­ten, haben zur Aus­set­zung der Rechts­strei­tig­kei­ten nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG geführt. Die Tarif­ver­trä­ge begeg­nen kei­nen mate­ri­ell recht­li­chen Beden­ken, soweit Arbeit­ge­bern Bei­trags- und Aus­kunfts­pflich­ten gegen­über der AKS auf­er­legt wer­den. Der Senat hat jedoch ernst­haf­te Zwei­fel dar­an, ob der ZDS tarif­fä­hig und tarif­zu­stän­dig für den Abschluss der Tarif­ver­trä­ge war. Auf­grund der in der Sat­zung vor­ge­se­he­nen „För­der­mit­glied­schaft“ von selb­stän­di­gen Schorn­stein­fe­gern bestehen Beden­ken dar­an, dass der ZDS bei Tarif­ab­schluss geg­ner­frei war. Die Tarif­zu­stän­dig­keit ist zwei­fel­haft, weil die Sat­zung kei­ne Mit­glied­schaft für Aus­zu­bil­den­de vor­sieht. Die­se ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen sind in einem geson­der­ten Beschluss­ver­fah­ren zu klä­ren.

Die Revi­si­on des Beklag­ten in der Sache — 10 AZR 279/16 -, der kei­ne Arbeit­neh­mer beschäf­tigt, hat­te vor dem Zehn­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg. § 7 Abs. 2 Satz 2 TV AKS 2012 ist unwirk­sam, soweit Betrie­be ohne Arbeit­neh­mer Bei­trä­ge an die AKS zah­len müs­sen. Durch die­se Rege­lung haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en ihre tarif­li­che Rege­lungs­macht über­schrit­ten.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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