(Stutt­gart) Eine Klau­sel in einem Insol­venz­plan, nach der bestrit­te­ne For­de­run­gen bei der Ver­tei­lung nur berück­sich­tigt wer­den, wenn inner­halb einer Aus­schluss­frist Kla­ge auf Fest­stel­lung zur Tabel­le erho­ben wird, regelt ledig­lich die Ver­tei­lung der Mas­se, berührt aber nicht den mate­ri­ell-recht­li­chen Anspruch.

Die For­de­run­gen der auf­grund einer sol­chen Klau­sel zunächst nicht berück­sich­tig­ten Insol­venz­gläu­bi­ger wer­den nicht dau­er­haft ent­wer­tet. Ins­be­son­de­re hin­dert eine sol­che Klau­sel die Durch­set­zung der Plan­quo­te nach Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens im Wege der Leis­tungs­kla­ge nicht. Eine sol­che Klau­sel ist daher in der Regel wirk­sam.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 19.11.2015 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 559/14.

Über das Ver­mö­gen der Beklag­ten wur­de am 1. Juni 2012 das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und am 6. August 2012 wie­der auf­ge­ho­ben. Das Arbeits­ver­hält­nis des Klä­gers wur­de am 11. Juli 2012 mit der im Insol­venz­ver­fah­ren gel­ten­den Höchst­frist von drei Mona­ten zum Monats­en­de zum 31. Okto­ber 2012 gekün­digt. Außer­halb eines Insol­venz­ver­fah­rens hät­te die Kün­di­gungs­frist sechs Mona­te zum Quar­tals­en­de betra­gen. Der Klä­ger mel­de­te den wegen der vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in § 113 Satz 3 InsO vor­ge­se­he­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch zur Tabel­le an. Die For­de­rung wur­de bestrit­ten. Der Insol­venz­plan sah vor, dass Kla­gen gegen bestrit­te­ne For­de­run­gen inner­halb von einem Monat nach Bestands­kraft des den Plan bestä­ti­gen­den gericht­li­chen Beschlus­ses anhän­gig zu machen sei­en; ande­ren­falls wer­de die For­de­rung bei der Ver­tei­lung in ana­lo­ger Anwen­dung des § 189 InsO nicht berück­sich­tigt. Der Klä­ger erhob erst im Juli 2013 Kla­ge. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Aus­schluss­frist im Insol­venz­plan sei unwirk­sam. Nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens kön­ne er sei­nen Anspruch im Wege der Leis­tungs­kla­ge ver­fol­gen.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Sie haben die im Insol­venz­plan gere­gel­te Aus­schluss­frist für wirk­sam gehal­ten und ange­nom­men, ihre Ver­säu­mung habe den Ver­fall des Scha­dens­er­satz­an­spru­ches zur Fol­ge. Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts teil­wei­se Erfolg. Die Aus­schluss­frist betrifft allein die Ver­tei­lung auf der Grund­la­ge des Insol­venz­plans und steht des­halb der Kla­ge auf Zah­lung der Quo­te, die der Gläu­bi­ger­grup­pe zusteht, der der Klä­ger nach dem Insol­venz­plan ange­hört, nicht ent­ge­gen. Die Höhe der Quo­te und des Scha­dens­er­satz­an­spru­ches steht aller­dings noch nicht fest. Es muss noch geklärt wer­den, wel­cher Gläu­bi­ger­grup­pe der Klä­ger ange­hört und wel­che Ein­künf­te und Erspar­nis­se er sich auf den Scha­den anrech­nen las­sen muss. Der Senat hat den Rechts­streit dar­um inso­weit an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Micha­el Henn
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