(Stutt­gart) Die Eigen­art der Arbeits­leis­tung iSv. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzB­fG kann die Befris­tung des Arbeits­ver­trags einer Film­pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft mit einem Schau­spie­ler sach­lich recht­fer­ti­gen, der auf­grund einer Viel­zahl von befris­te­ten Arbeits­ver­trä­gen lang­jäh­rig in der­sel­ben Rol­le einer Kri­mi­se­rie beschäf­tigt wur­de.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 30.08.2017 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 7 AZR 864/15.

Der Klä­ger ist Schau­spie­ler und stell­te in der vom ZDF aus­ge­strahl­ten und von der Beklag­ten im Auf­trag des Fern­seh­sen­ders pro­du­zier­ten Kri­mi­se­rie „Der Alte“ 18 Jah­re lang den Kom­mis­sar „Axel Rich­ter“ dar. Die Par­tei­en schlos­sen jeweils sog. „Mit­ar­bei­ter­ver­trä­ge“ bzw. „Schau­spie­ler­ver­trä­ge“ ab, die sich auf ein­zel­ne Fol­gen oder auf die in einem Kalen­der­jahr pro­du­zier­ten Fol­gen bezo­gen. Zuletzt wur­de der Klä­ger durch Ver­trag vom 13./16. Okto­ber 2014 in der Zeit bis zum 18. Novem­ber 2014 für ins­ge­samt 16 Dreh­ta­ge zur Pro­duk­ti­on der Fol­gen Nr. 391 und 392 ver­pflich­tet. Der Klä­ger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Befris­tung in dem zuletzt geschlos­se­nen Arbeits­ver­trag sei man­gels Sach­grunds unwirk­sam; außer­dem lie­ge eine unzu­läs­si­ge „Ket­ten­be­fris­tung“ vor.

Die Vor­in­stan­zen haben die Befris­tungs­kon­troll­kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te vor dem Sieb­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg. Die Befris­tung des mit dem Klä­ger zuletzt geschlos­se­nen Ver­trags vom 13./16. Okto­ber 2014 ist nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzB­fG durch die Eigen­art der Arbeits­leis­tung sach­lich gerecht­fer­tigt.

Durch den in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzB­fG gere­gel­ten Sach­grund soll die Befris­tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen ua. in dem durch die Kunst­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) gepräg­ten Gestal­tungs­in­ter­es­se des Arbeit­ge­bers ermög­licht wer­den. Bei der gebo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung und Anwen­dung des Sach­grunds in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzB­fG darf aber nicht allein die Kunst­frei­heit Beach­tung fin­den. Viel­mehr ist auch dem nach Art. 12 Abs. 1 GG zu gewähr­leis­ten­den Min­dest­be­stands­schutz des künst­le­risch täti­gen Arbeit­neh­mers Rech­nung zu tra­gen. Dies gebie­tet eine Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Belan­ge, bei der auch das Bestands­schutz­in­ter­es­se des Arbeit­neh­mers ange­mes­sen Berück­sich­ti­gung fin­den muss. Die Inter­es­sen­ab­wä­gung ist Bestand­teil der Sach­grund­prü­fung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzB­fG.

Die Befris­tungs­kon­troll­kla­ge hat­te danach kei­nen Erfolg. Die Ent­schei­dung der Beklag­ten, die Rol­le des Klä­gers nur befris­tet zu beset­zen, beruht auf künst­le­ri­schen Erwä­gun­gen, die von der Beklag­ten umge­setzt wur­den. Die lang­jäh­ri­ge Beschäf­ti­gung des Klä­gers in der Rol­le des Kom­mis­sars „Axel Rich­ter“ in der Kri­mi­se­rie „Der Alte“ über­wiegt nicht das Inter­es­se an einer kurz­fris­tig mög­li­chen Fort­ent­wick­lung des For­mats durch die Strei­chung der vom Klä­ger beklei­de­ten, im Kern­be­reich des künst­le­ri­schen Kon­zepts lie­gen­den und die Serie mit­prä­gen­den Rol­le.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat am sel­ben Tag — wie die Vor­in­stan­zen — die gegen die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses auf­grund Befris­tung gerich­te­te Kla­ge eines wei­te­ren Schau­spie­lers abge­wie­sen, der 28 Jah­re lang die Rol­le des Kom­mis­sars „Wer­ner Ried­mann“ in der Kri­mi­se­rie „Der Alte“ besetz­te.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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