(Stutt­gart) Die Benen­nung zum betrieb­li­chen Daten­schutz­be­auf­trag­ten ist nicht inkom­pa­ti­bel mit dem Amt des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den.

Dar­auf ver­weist der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht und Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men“ des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf eine Ent­schei­dung des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 19. August 2019 — Az.: 9 Sa 268/18.

Der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de wur­de von dem beklag­ten Arbeit­ge­ber wirk­sam zum inter­nen Beauf­trag­ten für Daten­schutz benannt. Fer­ner benann­ten ihn wei­te­re Kon­zern­ge­sell­schaf­ten zum exter­nen Daten­schutz­be­auf­trag­ten. Der Lan­des­be­auf­trag­te für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­frei­heit stell­te mit Schrei­ben vom 24. Novem­ber 2017 fest, dass der Klä­ger nicht über die not­wen­di­ge Zuver­läs­sig­keit ver­fü­ge, die für die Bestel­lung eines betrieb­li­chen Daten­schutz­be­auf­trag­ten not­wen­dig sei, da eine Inkom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Amt des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den vor­lie­ge. Der Klä­ger sei des­halb nicht wirk­sam als betrieb­li­cher Daten­schutz­be­auf­trag­ter bestellt wor­den. Dies wur­de dem Klä­ger mit­ge­teilt, gleich­zei­tig wur­de sei­ne Benen­nung zum Daten­schutz­be­auf­trag­ten mit sofor­ti­ger Wir­kung wider­ru­fen. Nach dem Inkraft­tre­ten der DSGVO wur­de der Klä­ger mit einem wei­te­ren Schrei­ben der Beklag­ten vom 25. Mai 2018 aus betriebs­be­ding­ten Grün­den vor­sorg­lich als Daten­schutz­be­auf­trag­ter abbe­ru­fen.

Hier­ge­gen hat sich der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge gewen­det. Das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt gab sei­ner Kla­ge statt.

Der Klä­ger wur­de nach Ansicht der Rich­ter wirk­sam zum Daten­schutz­be­auf­trag­ten der Beklag­ten benannt. Eine Inkom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Amt des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den lie­ge nicht vor. Die blo­ße Mit­glied­schaft im Betriebs­rat mache die­se Per­son für das Amt des Beauf­trag­ten für den Daten­schutz nicht unzu­ver­läs­sig, inso­weit bestehe grund­sätz­lich kei­ne Inkom­pa­ti­bi­li­tät zwi­schen die­sen bei­den Ämtern, füh­ren die Rich­ter in ihrer Ent­schei­dung unter Ver­weis auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 23. März 2011 (Az.: 10 AZR 562/09) aus. Dies gel­te vor­lie­gend auch für einen Betriebs­rats­vor­sit­zen­den. Da kein wich­ti­ger Grund vor­lag, ging auch der Wider­ruf bzw. die Abbe­ru­fung ins Lee­re.

Das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on zuge­las­sen.

Inter­es­sant ist die­ses Urteil im Zusam­men­hang mit einer ande­ren Fra­ge.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt war bis­lang der Auf­fas­sung, dass der betrieb­li­che Daten­schutz­be­auf­trag­te nicht befugt sei, den Betriebs­rat daten­schutz­recht­lich zu kon­trol­lie­ren (Beschluss vom 11. Novem­ber 1997 – 1 ABR 21/97). Ob das Bun­des­ar­beits­ge­richt an die­ser Recht­spre­chung fest­hält, ist nach der Ent­schei­dung vom 23. März 2011 (10 AZR 562/09) offen. Jeden­falls könn­te die­se Auf­fas­sung nun­mehr wegen der dem Daten­schutz­be­auf­trag­ten nach der DSGVO zuge­ord­ne­ten unein­ge­schränk­ten Kon­troll­kom­pe­tenz nicht mehr zu hal­ten sein. Soll­te es so kom­men, dann wäre die Benen­nung eines Betriebs­rats­mit­glie­des zum betrieb­li­chen Daten­schutz­be­auf­trag­ten aber mit Sicher­heit nicht mehr mög­lich. Das Urteil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts wird also nur dann zu hal­ten sein, wenn das Bun­des­ar­beits­ge­richt bei sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung bleibt.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und riet bei Fra­gen Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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