(Stutt­gart) Betreibt die Geschäfts­füh­re­rin eines Ver­eins auf intri­gan­te Wei­se ziel­ge­rich­tet die Abwahl des Ver­eins­vor­sit­zen­den, kann dies die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses recht­fer­ti­gen.

Dar­auf ver­weist der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht und Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men“ des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V., unter Hin­weis auf eine Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 1. Juni 2017 (Az.: 6 AZR 720/15).

Die Klä­ge­rin war im Rah­men eines Arbeits­ver­tra­ges als Geschäfts­füh­re­rin bei dem beklag­ten Ver­ein beschäf­tigt. Die­ser bil­de­te den Dach­ver­band für sei­ne ört­li­chen Mit­glieds­ver­bän­de. Zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Prä­si­den­ten des Ver­eins bestan­den Dif­fe­ren­zen. Die Klä­ge­rin rief die Ver­eins­mit­glie­der dazu auf, die Ein­be­ru­fung einer außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung mit dem Ziel der Abwahl der Ver­eins­spit­ze zu for­dern. Der als Prä­si­di­um bezeich­ne­te Vor­stand des Ver­eins beschloss dar­auf­hin die frist­lo­se, hilfs­wei­se ordent­li­che Kün­di­gung der Klä­ge­rin. Hier­ge­gen wen­det sich die Klä­ge­rin mit ihrer Kla­ge. Unter ande­rem rüg­te sie die Unwirk­sam­keit des Prä­si­di­ums­be­schlus­ses, da das Prä­si­di­um wegen des vor­he­ri­gen Rück­tritts eines Mit­glieds nicht voll­stän­dig besetzt gewe­sen sei.

Das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt wies die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ab. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Erfolg. Das Gericht wies die Kla­ge an das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück, weil es nicht abschlie­ßend beur­tei­len konn­te, ob die frist­lo­se Kün­di­gung gemäß § 626 Abs. 2 BGB inner­halb von zwei Wochen nach Kennt­nis­er­lan­gung von den maß­ge­ben­den Tat­sa­chen erklärt wur­de. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wer­de zu prü­fen haben, ob ent­spre­chend dem Beklag­ten­vor­trag eine Anhö­rung der Klä­ge­rin den Frist­be­ginn gehemmt habe. Hier­zu müss­te der Klä­ge­rin bezo­gen auf den kün­di­gungs­re­le­van­ten Sach­ver­halt Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben wor­den sein.

Ansons­ten sah das Gericht jedoch die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eben­so wie schon das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt als gerecht­fer­tigt an.

Der Prä­si­di­ums­be­schluss sei wirk­sam und wegen des illoya­len Ver­hal­tens der Klä­ge­rin läge auch ein wich­ti­ger Grund für die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses vor. Denn durch das illoya­le Ver­hal­ten wer­de die für eine wei­te­re Zusam­men­ar­beit erfor­der­li­che Ver­trau­ens­ba­sis zer­stört und der Betriebs­frie­de erheb­lich gestört. Eine vor­he­ri­ge Abmah­nung war des­halb ent­behr­lich.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und riet er bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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