(Stutt­gart) Ein Heim­ar­bei­ter kann nach Maß­ga­be des Heim­ar­beits­ge­set­zes (HAG) eine Siche­rung sei­nes Ent­gelts für die Dau­er der Kün­di­gungs­frist sowie Urlaubs­ab­gel­tung nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUr­lG) ver­lan­gen.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zu sei­nem Urteil vom 20. August 2019 – Az. 9 AZR 41/19 -.

Der Klä­ger erbrach­te für die Beklag­te regel­mä­ßig Leis­tun­gen als selbst­stän­di­ger Bauingenieur/Programmierer in Heim­ar­beit. Nach­dem die Beklag­te beschlos­sen hat­te, ihr Unter­neh­men auf­zu­lö­sen und zu liqui­die­ren, wies sie dem Klä­ger seit Dezem­ber 2013 kei­ne Pro­jek­te mehr zu. Das Heim­ar­beits­ver­hält­nis ende­te durch Kün­di­gung der Beklag­ten mit Ablauf des 30. April 2016. Für die­sen Zeit­raum hat der Klä­ger von der Beklag­ten ver­langt, ihm Ver­gü­tung iHv. 171.970,00 Euro brut­to zu zah­len sowie 72 Werk­ta­ge Urlaub iHv. 15.584,94 Euro brut­to abzu­gel­ten.

Die Vor­in­stan­zen haben der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Soweit die Kla­ge abge­wie­sen wur­de, ver­langt der Klä­ger mit der Revi­si­on die Zah­lung wei­te­rer 130.460,00 Euro brut­to wegen Nicht­aus­ga­be von Heim­ar­beit sowie Urlaubs-abgel­tung für das Jahr 2014 iHv. 4.091,71 Euro brut­to sowie iHv. 5.194,83 Euro brut­to für das Jahr 2015. Die Revi­si­on vor dem Neun­ten Senat des Bun­des-arbeits­ge­richts hat­te nur hin­sicht­lich der begehr­ten Urlaubs­ab­gel­tung Erfolg.

Neben dem Ent­gelt, das die Beklag­te für die Dau­er der fik­ti­ven Kün­di­gungs­frist, wäh­rend der sie kei­ne Heim­ar­beit aus­gab, schul­de­te, kann der Klä­ger kei­ne wei­te­re Ver­gü­tung ver­lan­gen. Ein Anspruch unter den Gesichts­punk­ten des Annah­me-ver­zugs oder Scha­dens­er­sat­zes besteht nicht. Es fehlt an einer beson­de­ren Abspra­che der Par­tei­en, dem Klä­ger Pro­jek­te in einem bestimm­ten Umfang zuzu­wei­sen. Heim­ar­bei­ter haben grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf Aus­ga­be einer bestimm­ten Arbeits­men­ge. Da sie aber regel­mä­ßig auf Auf­trä­ge ange­wie­sen sind, sehen die Bestim­mun­gen des Heim­ar­beits­ge­set­zes zum Kün­di­gungs­schutz eine Ent­gelt­si­che­rung vor. Kün­digt der Auf­trag­ge­ber das Heim­ar­beits­ver­hält­nis, kann der Heim­ar­bei­ter gemäß § 29 Abs. 7 HAG für die Dau­er der Kün­di­gungs­frist Fort­zah­lung des Ent­gelts bean­spru­chen, das er im Durch­schnitt der letz­ten 24 Mona­te vor der Kün­di­gung durch Heim­ar­beit erzielt hat. § 29 Abs. 8 HAG sichert das Ent­gelt, wenn der Auf­trag­ge­ber nicht kün­digt, jedoch die Arbeits­men­ge, die er min­des­tens ein Jahr regel­mä­ßig an einen Heim­ar­bei­ter aus­ge­ge­ben hat, um min­des­tens ein Vier­tel ver­rin­gert. Die Ent­gelt­si­che­rung nach § 29 Abs. 7 und Abs. 8 HAG steht dem Heim­ar­bei­ter jedoch nur alter­na­tiv zu.

Die Höhe der bei Been­di­gung des Heim­ar­beits­ver­hält­nis­ses geschul­de­ten Urlaubs­ab­gel­tung ist nach § 12 Nr. 1 BUr­lG auf der Grund­la­ge des Ent­gelts des Heim­ar­bei­ters in der Zeit vom 1. Mai des ver­gan­ge­nen bis zum 30. April des lau­fen­den Jah­res zu ermit­teln. Für den Urlaub aus dem Jahr 2014 ist des­halb im Streit­fall auf das Ent­gelt abzu­stel­len, das der Klä­ger in der Zeit vom 1. Mai 2013 bis zum 30. April 2014 erzielt hat. Die hier­für erfor­der­li­chen Tat­sa­chen wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach der inso­weit erfolg­ten Zurück­ver­wei­sung der Sache auf­zu­klä­ren haben. Für das Jahr 2015 steht dem Klä­ger Urlaubs­ab­gel­tung iHv. 1.103,12 Euro brut­to zu.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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