(Stutt­gart) Vor dem Arbeits­ge­richt in Ham­burg hat eine Kran­ken­schwes­ter soeben das Ver­fah­ren in ers­ter Instanz gewon­nen, nach­dem ihr wegen der Ent­wen­dung von 8 hal­ben Bröt­chen nach knapp 23 Dienst­jah­ren frist­los gekün­digt wur­de.Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Arbeits­ge­richts (ArbG) Ham­burg vom 10.07.2015 zu sei­nem Urteil in der Sache, Az. 27 Ca 87/15.

In dem Ver­fah­ren vor dem Arbeits­ge­richt Ham­burg wehr­te sich eine Kran­ken­schwes­ter gegen eine frist­lo­se Kün­di­gung. Sie wur­de bei der Arbeit­ge­be­rin, wel­che in Ham­burg meh­re­re Kran­ken­häu­ser betreibt, im Jah­re 1991 ange­stellt und ist ordent­lich unkünd­bar. Im Pau­sen­raum wur­den im Kühl­schrank beleg­te Bröt­chen gela­gert, wel­che für exter­ne Mit­ar­bei­ter (z.B. Ret­tungs­sa­ni­tä­ter) bestimmt waren. Eines Mor­gens ent­nahm die Klä­ge­rin 8 hal­be beleg­te Bröt­chen­hälf­ten dem Kühl­schrank, und stell­te die­se in den eige­nen Pau­sen­raum. Dort wur­den sie von den eige­nen Mit­ar­bei­tern ver­zehrt, jeden­falls eine Hälf­te auch durch die Klä­ge­rin. Als die Klä­ge­rin spä­ter zu dem Vor­gang ange­hört wur­de, räum­te sie die­sen umge­hend ein, weil ihr eige­nes Essen aus dem Kühl­schrank gestoh­len wor­den sei. Die Beklag­te kün­dig­te frist­los, hilfs­wei­se mit sozia­ler Aus­lauf­frist.

Die Kla­ge hat­te vor dem Arbeits­ge­richt Erfolg. Die Kam­mer stell­te fest:

  1. Die Ent­wen­dung gering­wer­ti­ger Sachen — hier acht beleg­te Bröt­chen­hälf­ten — kann grund­sätz­lich eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen.
  2. Auch bei Hand­lun­gen, die gegen das Eigen­tum des Arbeit­ge­bers gerich­tet sind, ist eine Abmah­nung nicht grund­sätz­lich ent­behr­lich. Viel­mehr ist in Anbe­tracht der Umstän­de des Ein­zel­falls eine Prü­fung erfor­der­lich, ob durch eine Abmah­nung ver­lo­ren gegan­ge­nes Ver­trau­en wie­der her­ge­stellt wer­den kann. Dabei ist zuguns­ten des Arbeit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen, ob er bei sei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung offen oder heim­lich gehan­delt hat und wie er — ange­spro­chen auf sei­ne Ver­feh­lung — mit den Vor­wür­fen umgeht.
  3. Die Kün­di­gung einer Kran­ken­schwes­ter nach knapp 23 Dienst­jah­ren, in denen es nicht zu Bean­stan­dun­gen gekom­men ist, weil sie acht beleg­te Bröt­chen­hälf­ten, die von ihrer Arbeit­ge­be­rin für exter­ne Mit­ar­bei­ter bereit­ge­stellt wur­den, genom­men und mit ihren Kol­le­gin­nen wäh­rend ihrer Schicht geges­sen hat, ist unver­hält­nis­mä­ßig. Zuvor hät­te eine Abmah­nung als mil­de­res Mit­tel und zur Objek­ti­vie­rung der nega­ti­ven Pro­gno­se aus­ge­spro­chen wer­den müs­sen.

Gegen die Ent­schei­dung ist das Rechts­mit­tel der Beru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt mög­lich.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Micha­el Henn
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Fach­an­walt für Arbeits­recht
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