(Stutt­gart) Ein Poli­zei­be­am­ter, der meint, auf­grund unrecht­mä­ßi­ger gesetz­li­cher Rege­lun­gen des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len zu Unrecht vor­zei­tig in den Ruhe­stand ver­setzt wor­den zu sein, ver­liert mög­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen das Land Nord­rhein-West­fa­len, wenn er die zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ver­säumt.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 19.01.2015 zu sei­nem Urteil vom 03.12.2014 (11 U 6/13), nicht rechts­kräf­tig (BGH III ZR 04/15).

Der im Jah­re 1947 gebo­re­ne Klä­ger aus dem Müns­ter­land war bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung am 30.06.2010 als Poli­zei­voll­zugs­be­am­ter für das beklag­te Land Nord­rhein-West­fa­len tätig. Auf sei­nen Antrag hin hat­te das Land den Ein­tritt in den Ruhe­stand bereits 3 Jah­re ver­scho­ben. Den wei­te­ren Antrag des Klä­gers, sei­nen Ein­tritt in den Ruhe­stand erneut um 2 Jah­re bis zum 30.06.2012 hin­aus­zu­schie­ben, lehn­te das beklag­te Land im Jah­re 2010 auf­grund bestehen­der lan­des­recht­li­cher Vor­schrif­ten ab. Vom Klä­ger ange­streng­te ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren hat­ten kei­nen Erfolg.

Vom beklag­ten Land ver­langt der Klä­ger Scha­dens­er­satz mit der Begrün­dung, das Land habe mit sei­nen gesetz­li­chen Rege­lun­gen zur stu­fen­wei­sen Anhe­bung der Regel­al­ters­gren­ze für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te gegen die EU-Dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­nie 2000/78/EG ver­sto­ßen. Wäh­rend er, der Klä­ger, regu­lär weni­ge Mona­te nach der Voll­endung des 60. Lebens­jahr in den Ruhe­stand tre­ten müs­se, dürf­te ein Poli­zei­voll­zugs­be­am­ter des Geburts­jah­res 1950 bis zur Voll­endung sei­nes 62. Lebens­jah­res wei­ter­ar­bei­ten. Durch die ihn wegen sei­nes Alters dis­kri­mi­nie­ren­de Behand­lung des beklag­ten Lan­des sei­en ihm Dienst­be­zü­ge in Höhe von ca. 21.500 EUR ent­gan­gen und zusätz­li­che Ver­si­che­rungs­kos­ten in Höhe von ca. 4.500 EUR ent­stan­den. Die­se Beträ­ge habe das beklag­te Land zu erstat­ten.

Nach der Ent­schei­dung des 11. Zivil­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ist das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren des Klä­gers erfolg­los geblie­ben. Es lie­ge zwar eine Ungleich­be­hand­lung des Klä­gers vor, die­ser habe es aber ver­säumt, sei­ne Ansprü­che inner­halb der im AGG gere­gel­ten, zwei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist gel­tend zu machen.

Ent­ge­gen der Ansicht des beklag­ten Lan­des — so der 11. Zivil­se­nat — sei­en die lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen zur gestaf­fel­ten Anhe­bung der Alters­gren­ze für Poli­zei­be­am­te nicht nur am AGG, son­dern auch an der EU-Dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­nie 2000/78EG selbst zu mes­sen. Nach den lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen wer­de der Klä­ger wegen sei­nes Alters gegen­über ande­ren Lan­des­be­am­ten ungleich behan­delt. Zum einen habe der Lan­des­ge­setz­ge­ber die Alters­gren­ze für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te von bis­her 60 Jah­ren auf “nur” 62 Jah­re hoch­ge­setzt, wäh­rend für ande­re Lan­des­be­am­te eine Alters­gren­ze von 65 Jah­ren gel­te. Zum ande­ren gel­te für den Klä­ger eine Über­gangs­re­ge­lung, die sei­ne regu­lä­re Alters­gren­ze nur um 3 Mona­te ver­län­ge­re, wäh­rend für jün­ge­re Poli­zei­voll­zugs­be­am­te die regu­lä­re Alters­gren­ze stu­fen­wei­se bis zur Voll­endung des 62. Lebens­jah­res ange­ho­ben wor­den sei. Die­se Ungleich­be­hand­lun­gen sei­en eine unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung des Klä­gers im Sin­ne der euro­päi­schen Richt­li­nie. Ob sie im Hin­blick auf die mit der Gesetz­ge­bung des beklag­ten Lan­des ver­folg­ten gesetz­ge­be­ri­schen Zie­le gerecht­fer­tigt sei­en, erschei­ne dem 11. Zivil­se­nat nicht unzwei­fel­haft. Die gesetz­ge­be­ri­schen Zie­le sei­en in der lan­des­recht­li­chen Rege­lung nicht ange­ge­ben und vom beklag­ten Land im Hin­blick auf die Vor­schrif­ten auch nicht so erläu­tert wor­den, dass Ange­mes­sen­heit und Erfor­der­lich­keit der zur Ziel­er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel gericht­lich über­prüft wer­den könn­ten.

Die Fra­ge einer unge­recht­fer­tig­ten Dis­kri­mi­nie­rung müs­se der Senat aller­dings nicht abschlie­ßend ent­schei­den, weil der Klä­ger die in § 15 Abs. 4 AGG gere­gel­te zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist ver­säumt habe. Von den ihn benach­tei­li­gen­den Ent­schei­dun­gen des beklag­ten Lan­des und ihrer erfolg­lo­sen gericht­li­chen Anfech­tung habe der Klä­ger bereits im Jahr 2010 erfah­ren, so dass die Aus­schluss­frist jeden­falls Anfang des Jah­res 2011 abge­lau­fen sei und durch die im Janu­ar 2012 erho­be­ne Scha­dens­er­satz­kla­ge nicht mehr gewahrt wer­den konn­te.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
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