(Stutt­gart) Zula­gen für Sonn­tags-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit sind Erschwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO und damit im Rah­men des Übli­chen unpfänd­bar. Zula­gen für Schicht-, Sams­tags- oder sog. Vor­fest­ar­beit sind dage­gen der Pfän­dung nicht ent­zo­gen.

Hin­sicht­lich der Fra­ge, in wel­chem Umfang und wel­cher Höhe Zuschlä­ge für Sonn­tags-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit als „üblich“ und damit unpfänd­bar iSv. § 850a Nr. 3 ZPO anzu­se­hen sind, kann an die Rege­lung in § 3b EStG ange­knüpft wer­den.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 23.08.2017 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 10 AZR 859/16.

Die Klä­ge­rin arbei­tet bei der Beklag­ten, die Sozi­al­sta­tio­nen betreibt, als Haus­pfle­ge­rin. Nach einem zwi­schen­zeit­lich auf­ge­ho­be­nen Insol­venz­ver­fah­ren befand sich die Klä­ge­rin in der sog. Wohl­ver­hal­tens­pha­se, in der sie ihre pfänd­ba­re Ver­gü­tung an einen Treu­hän­der abge­tre­ten hat­te. Im Zeit­raum Mai 2015 bis März 2016 führ­te die Beklag­te von der jewei­li­gen Net­to­ver­gü­tung der Klä­ge­rin den sich aus ihrer Sicht erge­ben­den pfänd­ba­ren Teil der Ver­gü­tung an den Treu­hän­der ab. Dabei berück­sich­tig­te sie auch die an die Klä­ge­rin gezahl­ten tarif­ver­trag­li­chen Zuschlä­ge für Sonn­tags-, Fei­er­tags-, Nacht-, Wech­sel­schicht-, Sams­tags- und Vor­fest­ar­beit als pfänd­bar. Die Klä­ge­rin, die die­se Zuschlä­ge als unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO ansieht, begehrt von der Beklag­ten Zah­lung von ins­ge­samt 1.144,91 Euro, die die­se zu viel an den Treu­hän­der abge­führt habe. Die Vor­in­stan­zen haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben.

Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat der Zehn­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf­ge­ho­ben. Die Vor­in­stan­zen haben aller­dings zutref­fend ange­nom­men, dass Zula­gen für Sonn­tags-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit Erschwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO und des­halb unpfänd­bar sind. Der Gesetz­ge­ber hat in § 6 Abs. 5 ArbZG die Aus­gleichs­pflich­tig­keit von Nacht­ar­beit gere­gelt, die von ihm als beson­ders erschwe­rend bewer­tet wur­de. Sonn­ta­ge und gesetz­li­che Fei­er­ta­ge ste­hen kraft Ver­fas­sung (Art. 140 GG iVm. Art. 139 WRV) unter beson­de­rem Schutz. § 9 Abs. 1 ArbZG ord­net an die­sen Tagen ein grund­sätz­li­ches Beschäf­ti­gungs­ver­bot an. Damit geht der Gesetz­ge­ber auch hier von einer Erschwer­nis aus, wenn an die­sen Tagen den­noch gear­bei­tet wird.

Eine ent­spre­chen­de gesetz­ge­be­ri­sche Wer­tung gibt es für Schicht-, Sams­tags- und Vor­fest­ar­beit hin­ge­gen nicht. Zudem ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Son­der­re­ge­lung des § 850a ZPO zwar dem Schuld­ner­schutz dient und die­sem einen grö­ße­ren Teil sei­nes Net­to­ein­kom­mens als unpfänd­bar belas­sen will. Ange­sichts der eben­so in den Blick zu neh­men­den Gläu­bi­ger­inter­es­sen bedarf die in § 850a Nr. 3 ZPO gere­gel­te Unpfänd­bar­keit von Erschwer­nis­zu­la­gen aber einer sach­li­chen Begren­zung. Der Senat konn­te nicht abschlie­ßend ent­schei­den, da zur genau­en Höhe der zu Unrecht an den Treu­hän­der abge­führ­ten Ver­gü­tung eine wei­te­re Sach­auf­klä­rung erfor­der­lich ist.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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