(Stutt­gart) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat soeben eine Ent­schei­dung zu den Vor­aus­set­zun­gen für den Bezug einer Betriebs­ren­te ab Voll­endung des 60. Lebens­jah­res — Aus­le­gung einer Ver­sor­gungs­ord­nung – getrof­fen.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 13.01.2015 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 3 AZR 894/12.

Die im Jahr 1959 gebo­re­ne Klä­ge­rin ist seit 1991 bei der Beklag­ten beschäf­tigt. Ihr wur­den Leis­tun­gen der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nach den „Rege­lun­gen zur Alters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung (AHV)“ der Beklag­ten zuge­sagt. Die AHV in der Fas­sung vom 5. Novem­ber 1991 (im Fol­gen­den: AHV 1991) sehen vor, dass Ver­sor­gungs­be­zü­ge nur gewährt wer­den, wenn der/die Ange­stell­te fünf Jah­re in den Diens­ten der Beklag­ten gestan­den hat (War­te­zeit) und nach Voll­endung des 63. Lebens­jah­res, bei weib­li­chen Mit­ar­bei­tern nach Voll­endung des 60. Lebens­jah­res aus den Diens­ten der Beklag­ten aus­ge­schie­den oder vor Voll­endung des 63. Lebens­jah­res, bei weib­li­chen Mit­ar­bei­tern vor Voll­endung des 60. Lebens­jah­res, in den Diens­ten der Beklag­ten dienst­un­fä­hig gewor­den ist. Fer­ner ist in den AHV 1991 bestimmt, dass die Ver­sor­gungs­be­zü­ge ua. um die Ren­ten aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen gekürzt wer­den. Im Novem­ber 2010 teil­te die Beklag­te ihren Mit­ar­bei­tern — so auch der Klä­ge­rin — mit, dass Per­so­nen ab Geburts­jahr­gang 1952 auf­grund der geän­der­ten Alters­gren­zen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die Betriebs­ren­te nach den AHV frü­hes­tens mit Voll­endung des 63. Lebens­jah­res erhal­ten könn­ten. Der Bezug der Alters­ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sei schon immer eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung für den Anspruch auf die betrieb­li­che AHV-Ren­te gewe­sen. Hier­ge­gen hat sich die Klä­ge­rin mit ihrer Kla­ge gewandt.

Die Vor­in­stan­zen haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Revi­si­on der Beklag­ten hat­te vor dem Drit­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg. Der Klä­ge­rin ste­hen Leis­tun­gen der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nach den AHV 1991 erst ab dem Zeit­punkt zu, zu dem sie die Alters­ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in Anspruch nimmt. Die Aus­le­gung nach den für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Grund­sät­zen ergibt, dass die AHV 1991 für Frau­en kei­ne „fes­te“, son­dern eine „fle­xi­ble“ Alters­gren­ze auf das 60. Lebens­jahr fest­le­gen und den Bezug von Alters­ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vor­aus­set­zen.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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