Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg
Pres­se­mit­tei­lung Nr. 02/18 vom 18.01.2018
Beschluss vom 17.01.2018 – 17 TaBV 1299/17

Ein Titel, der den Betriebs­rat zu einer unver­tret­ba­ren Hand­lung ver­pflich­tet, kann gegen ein­zel­ne Betriebs­rats­mit­glie­der voll­streckt wer­den, wenn die­se mate­ri­ell-recht­lich zur Vor­nah­me der Hand­lung ver­pflich­tet sind. Die blo­ße Mit­glied­schaft im Betriebs­rat genügt für eine Zwangs­voll­stre­ckung dem­ge­gen­über nicht. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­den.

Der Betriebs­rat hat­te sich in einem gericht­li­chen Ver­gleich gegen­über ein­zel­nen Betriebs­rats­mit­glie­dern ver­pflich­tet, sei­ne E-Mail-Kor­re­spon­denz mit der Arbeit­ge­be­rin über einen bestimm­ten E-Mail-Account zu füh­ren und an die E-Mail-Adres­sen ein­zel­ner Betriebs­rats­mit­glie­der gesand­te E-Mails an die­sen E-Mail-Account wei­ter­zu­lei­ten. Die­se ein­zel­nen Betriebs­rats­mit­glie­der begeh­ren die für eine Voll­stre­ckung erfor­der­li­che Ertei­lung einer Voll­stre­ckungs­klau­sel, um die Zwangs­voll­stre­ckung gegen den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den, sei­nen Stell­ver­tre­ter sowie wei­te­re Betriebs­rats­mit­glie­der zu betrei­ben.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Klau­seler­tei­lungs­an­trag ent­spro­chen, soweit die Betriebs­rats­mit­glie­der auf­grund ihrer betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Funk­tio­nen zur Erfül­lung des gericht­li­chen Ver­gleichs ver­pflich­tet sind, und den wei­ter­ge­hen­den Antrag zurück­ge­wie­sen. Die dem Betriebs­rat auf­er­leg­te Hand­lungs­pflicht kön­ne nur durch die Mit­glie­der des Betriebs­rats erfüllt wer­den. Zur Gewäh­rung eines effek­ti­ven Rechts­schut­zes sei es gebo­ten, die Zwangs­voll­stre­ckung gegen Betriebs­rats­mit­glie­der inso­weit zuzu­las­sen, wie die­se in Aus­übung ihrer Funk­tio­nen für den Betriebs­rat han­del­ten und dabei den Ver­gleich beach­ten müss­ten. Ohne eine mate­ri­ell-recht­li­che Hand­lungs­pflicht kom­me eine Zwangs­voll­stre­ckung gegen ein ein­zel­nes Betriebs­rats­mit­glied dem­ge­gen­über nicht in Betracht.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Rechts­be­schwer­de an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://www.berlin.de/gerichte/arbeitsgericht/presse/pressemitteilungen/2018/pressemitteilung.669020.php