(Stuttgart) Wenn ein Kraft­fahrer zu einem Kun­den­vertreter mehrfach „Arschloch“ sagt, recht­fer­tigt das nicht immer eine frist­lose Kündi­gung. Die notwendi­ge Einzelfall­prü­fung und Inter­essen­ab­wä­gung kann zu dem Ergeb­nis führen, dass gle­ich­wohl nur eine Abmah­nung ausreicht.

Dies, so der Kiel­er Fachan­walt für Arbeit­srecht Jens Klar­mann, Vizepräsi­dent des VdAA  — Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, hat das Lan­desar­beits­gericht (LAG) Schleswig-Hol­stein mit einem am 20.10.2010 veröf­fentlicht­en Urteil vom 08.04.2010 entsch­ieden (4 Sa 474/09).

Der Kläger war hier seit mehr als sechs Jahren als Kraft­fahrer in einem Logis­tikzen­trum tätig. Er hat­te in der Ver­gan­gen­heit bere­its mehrfach einen bes­timmten Kun­den über eine sehr enge Ein­fahrt mit ein­er sehr knapp bemesse­nen Durch­fahrtshöhe unfall­frei beliefert. Bei ein­er solchen Anliefer­ung wurde er eines Tages von ein­er ihm unbekan­nten Per­son, let­z­tendlich dem Liegen­schaftsver­wal­ter, nach der Bemerkung „Wie oft wollt ihr jet­zt da oben noch gegen fahren?“ in gereiztem Ton aufge­fordert, nicht weit­er zu fahren. Nach sein­er Antwort: „Ich lief­ere hier seit Jahren und jet­zt aus dem Weg, du Arsch“ ergab sich ein Wort­ge­fecht, in dem der Kläger sein Gegenüber noch mehrfach als „Arschloch“ beze­ich­net hat­te. Der Kläger hat­te ihn für einen „Wichtigtuer“ gehal­ten. Der Arbeit­ge­ber kündigte das bish­er insoweit unbean­standete Arbeitsver­hält­nis fristlos.

Das Lan­desar­beits­gericht sah eben­so wie bere­its das Arbeits­gericht Neumün­ster keinen aus­re­ichen­den Kündi­gungs­grund, so betont Klarmann.

Danach stellt das grob belei­di­gende Ver­hal­ten des Klägers zwar grund­sät­zlich einen erhe­blichen Ver­stoß gegen seine Pflicht­en aus dem Arbeitsver­hält­nis dar. Auch wenn es die Geschäfts­beziehun­gen des Arbeit­ge­bers gefährde, müsse hier zugun­sten des Klägers jedoch berück­sichtigt wer­den, dass er nicht gewusst habe, wer sein Gegenüber war und dass es sich um einen Repräsen­tan­ten des Kun­den han­delte. Auch habe er in der Ver­gan­gen­heit die beengten Ver­hält­nisse stets ohne Schä­den gemeis­tert. Eine Abmah­nung hätte hier aus­gere­icht, um eine Wieder­hol­ung des bean­stande­ten Arbeit­nehmerver­hal­tens auszuschließen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beacht­en sowie in Zweifels­fällen um Recht­srat nachzusuchen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. – www.vdaa.de – verwies. 

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