Arbeit­srecht find­et Anwen­dung: Urlaub, Kündi­gungss­chutz und Lohn­fortzahlung bei Krankheit 

(Stuttgart) Ver­schiedene Medi­en und Job­börsen bericht­en von einem ver­stärk­ten Ein­satz von Werk­stu­den­ten durch Unternehmen. In Zeit­en des Fachkräfte­man­gels erweisen sich Werk­stu­den­ten als attrak­tive Option, motivierte Nach­wuch­skräfte an das Unternehmen zu binden. Die Stu­den­ten kön­nen so prak­tis­che Erfahrun­gen sam­meln und poten­tielle Arbeit­ge­ber für einen Beruf­se­in­stieg nach dem Studi­um ken­nen­ler­nen. Aber auch wenn Werk­stu­den­ten in sozial(versicherungs)rechtlicher Hin­sicht Priv­i­legien zukom­men, genießen sie den Schutz des Arbeit­srechts. Bezahlter Urlaub, Kündi­gungs-schutz und Lohn­fortzahlung bei Krankheit sind nur einige davon. 

Die Recht­slage stellt der Ham­burg­er Fachan­walt für Arbeit­srecht Prof. Dr. Michael Fuhlrott dar. 

Werk­stu­den­ten sind Arbeitnehmer

Was ein Arbeitsver­hält­nis ist, definiert das Gesetz in § 611a des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es (BGB). Danach ist nach dem deutschen Arbeit­srecht der­jenige Arbeit­nehmer, der einge­bun­den in eine betriebliche Organ­i­sa­tion weisungs­ge­bun­den Dien­ste erbringt. Der Umstand, ob eine Per­son als Arbeit­nehmer oder aber etwa als selb­ständig Tätiger ist zu qual­i­fizieren ist, entschei­det sodann über die Anwend­barkeit der arbeit­srechtlichen Schutzvorschriften.

„Damit sind Werk­stu­den­ten als Arbeit­nehmer zu qual­i­fizieren“, erläutert Arbeit­srechtler Prof. Dr. Michael Fuhlrott. „Sie genießen damit grund­sät­zlich den vollen arbeit­srechtlichen Schutz und haben Anspruch auf bezahlten Erhol­ung­surlaub oder Lohn­fortzahlung im Krankheits­fall“, erläutert der Fachan­walt für Arbeit­srecht. „Let­ztlich sind Werk­stu­den­ten damit aus arbeit­srechtlich­er Sicht am besten mit Teilzeitkräften oder Mini-Job­bern zu ver­gle­ichen, die eben­falls mit einem im Ver­gle­ich zu ein­er Vol­lzeitkraft reduzierten Stun­de­num­fang arbeiten“.

Sozialver­sicherungsrecht: Werkstudentenprivileg 

Beson­der­heit­en für Werk­stu­den­ten ken­nt hinge­gen das Sozialver­sicherungsrecht: Während Arbeit­nehmer Sozialver­sicherungsab­gaben für die Arbeitslosen‑, Pflege‑, Kranken- und Renten­ver­sicherung leis­ten, sind Werk­stu­den­ten von den meis­ten Abgaben befre­it. „Werk­stu­den­ten müssen keine Abgaben in die Arbeit­slosen- und Pflegev­er­sicherung entricht­en. Sie benöti­gen für die Tätigkeit auch keinen geson­derten Kranken-ver­sicherungss­chutz“, so Arbeit­srechtler Fuhlrott. In die Renten­ver­sicherung müssen hinge­gen auch Werk­stu­den­ten einzahlen.

„Dieses Priv­i­leg kann aber nur in Anspruch genom­men wer­den, wenn das Studi­um auch tat­säch­lich im Vorder­grund ste­ht und die Werk­stu­den­ten­tätigkeit hierzu nur nachrangig ist“, so Fuhlrott. Danach ist eine Tätigkeit als Werk­stu­dent für ein Unternehmen im Semes­ter nur im Umfang von max­i­mal 20 Stun­den / Woche möglich. „Wird diese Gren­ze über­schrit­ten, wird angenom­men, dass nicht mehr das Studi­um, son­dern die Beruf­stätigkeit im Vorder­grund ste­ht. Das Werk­stu­den­ten­priv­i­leg ent­fällt dann“, warnt Fuhlrott. Beson­der­heit­en seien hinge­gen während der Semes­ter­fe­rien möglich, hier dürfe auch mehr gear­beit­et wer­den. Und: Eine Tätigkeit als Werk­stu­dent set­zt weit­er­hin voraus, dass der Werk­stu­dent auch tat­säch­lich Stu­dent ist, sprich an ein­er Hochschule ord­nungs­gemäß eingeschrieben ist.

Werk­stu­den­ten­job als win-win-sit­u­a­tionBeste­hen im Betrieb Betrieb­svere­in­barun­gen oder gel­ten Tar­ifverträge, find­en diese auch auf Werk­stu­den­ten Anwen­dung. „Eben­so ist an Werk­stu­den­ten Min­dest­lohn zu zahlen“, ergänzt Fuhlrott. „In der Prax­is wer­den Werk­stu­den­ten aber regelmäßig weit über Min­dest­lohn vergütet“, weiß der Arbeit­srecht­spro­fes­sor, dessen Studierende häu­fig Tätigkeit­en als Werk­stu­den­ten während des Studi­ums nachge­hen. „Je nach­dem, ob es sich um Bach­e­lor-Studierende oder Mas­ter-Studierende bere­its mit einem Bach­e­lor-Abschluss „in der Tasche“ han­delt, vari­iert der Stun­den­lohn natür­lich auch erheblich.“

Arbeit­srechtler Fuhlrott, der als Anwalt Unternehmen berät, sieht die Werk­stu­den­ten­tätigkeit als großen Vorteil für alle Beteiligten: „Meis­tens ist ein Werk­stu­den­ten­job eine klas­sis­che win-win-sit­u­a­tion für Unternehmen und Stu­dent. Das Unternehmen gewin­nt einen motivierten und gut aus­ge­bilde­ten Arbeit­nehmer, der nach dem Studi­um vielle­icht direkt als Fachkraft ohne lange Anler­nung ein­steigen kann. Der Stu­dent erhält prak­tis­che Ein­blicke und kann so durch fach­be­zo­gene Tätigkeit­en sein Studi­um finanzieren“. Diese Vorteile seien ins­beson­dere für Unternehmen in Zeit­en des Fachkräfte­man­gels nicht zu unter­schätzen. Und: Nicht zulet­zt prof­i­tierten auch die Hochschulen von Studieren­den, die bere­its prak­tis­che Erfahrung sam­melten und diese in die Vor­lesun­gen einbrächten.

Teil­habe an Unternehmensleis­tun­gen: Bonuszahlun­gen und sog­ar Inflationsprämie?

Da Werk­stu­den­ten als Arbeit­nehmer ein Teil der Belegschaft im Unternehmen seien, haben diese überdies im Grund­satz auch Anspruch auf Leis­tun­gen des Unternehmens, die an andere Arbeit­nehmer­grup­pen gewährt werden.

„Im Betrieb gilt der all­ge­meine Gle­ich­be­hand­lungs-grund­satz. Danach sind ver­schiedene Grup­pen von Beschäftigten gle­ich zu behan­deln, soweit es keine sach­lichen Gründe gibt, die eine andere Behand­lung erlauben“, erk­lärt Arbeit­srechtler Fuhlrott.

Damit kön­nen – je nach den betrieblichen Regelun­gen – zum nor­malen Gehalt noch Bonus-zahlun­gen oder Son­dervergü­tun­gen wie ein Wei­h­nachts­geld hinzukom­men. „Derzeit zahlen viele Unternehmen ihren Beschäftigten zudem ein Infla­tion­sprämie, die ohne Sozial­ab­gaben und damit brut­to wie net­to aus­gekehrt wird“, so der Ham­burg­er Fachan­walt für Arbeit­srecht. Ob Werk­stu­den­ten aber zwin­gend an der Auszahlung ein­er Infla­tion­sprämie zu beteili­gen seien, sei hinge­gen umstrit­ten: „Für eine Her­aus­nahme spricht, dass bei Werk­stu­den­ten eben ger­ade nicht die Arbeit­stätigkeit, son­dern das Studi­um im Vorder­grund ste­ht. Dage­gen spricht indes, dass alle Beschäftigten von der Preis­steigerung betrof­fen sind – Teilzeitkräfte mit gerin­gerem Einkom­men vielle­icht sog­ar noch stärk­er“, fasst der Arbeit­srechtler die Diskus­sion zusam­men. Eine gerichtliche Klärung ste­he insoweit noch aus, so Fuhlrott abschließend.

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Prof. Dr. Michael Fuhlrott
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