(Stuttgart) Das Arbeits­gericht Krefeld hat soeben entsch­ieden, dass die Ver­let­zung eines Arbeit­skol­le­gen durch einen explodieren­den Feuer­w­erk­skör­p­er die frist­lose Kündi­gung des Arbeitsver­hält­niss­es recht­fer­tigt, ohne dass es ein­er vorherge­hen­den Abmah­nung bedarf. Das gilt selb­st dann, wenn die Ver­let­zung des Kol­le­gen nicht beab­sichtigt, son­dern Folge eines fehlgeschla­ge­nen Scherzes war.

Darauf ver­weist der Köl­ner Fachan­walt für Arbeit­srecht Frhr. Fen­i­more von Bre­dow, Vizepräsi­dent des VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, unter Hin­weis auf die Mit­teilung des Arbeits­gerichts (ArbG) Krefeld vom 2.01.2013 zu seinen Urteil vom 30.11.2012 – Az. 2 Ca 2010/12.

Der 41 Jahre alte Kläger war bere­its seit 1997 bei der Beklagten als Gerüst­bauer und Vor­abeit­er beschäftigt. Am 07.08.2012 brachte er auf ein­er Baustelle einen Feuer­w­erk­skör­p­er (“Böller”) in einem Dixi-Klo zur Explo­sion, während sich dort sein Arbeit­skol­lege aufhielt. Dabei ist zwis­chen den Parteien stre­it­ig, ob er den Böller von oben in die Toi­let­tenk­abine gewor­fen hat, wie es ihm die Beklagte vor­wirft, oder ob er den Böller an der Tür des Klos ange­bracht hat, von wo er sich – von dem Kläger unge­plant – gelöst hat und dann in die Kabine hineingerutscht und dort zur Explo­sion gekom­men ist, wie es der Kläger darstellt. Der in der Toi­lette befind­liche Kol­lege des Klägers zog sich auf­grund der Explo­sion Ver­bren­nun­gen am Ober­schenkel, im Gen­i­tal­bere­ich und an der Leiste zu und war in der Folge drei Wochen arbeit­sun­fähig. Die Beklagte kündigte das Arbeitsver­hält­nis des Klägers wegen dieses Vor­falls mit Schreiben vom 10.08.2012 frist­los.

Der Kläger erhob gegen die Kündi­gung Klage vor dem Arbeits­gericht Krefeld und hat die Ansicht vertreten, dass keine so schw­er­wiegende Pflichtver­let­zung vor­liege, dass dies unmit­tel­bar die frist­lose Kündi­gung recht­fer­tige. Der kol­le­giale Umgang auf Gerüst­baustellen sei auch schon mal etwas rup­piger. Scherze seien dur­chaus üblich, dabei sei in der Ver­gan­gen­heit auch öfter bere­its mit Feuer­w­erk­skör­pern gescherzt wor­den. Der­ar­tiges habe im Kol­le­genkreis als Stim­mungsaufheller gegolten. So sei es auch an dem fraglichen Tag geplant gewe­sen. Die Her­beiführung von Ver­let­zun­gen bei dem Arbeit­skol­le­gen sei nie beab­sichtigt gewe­sen.

Dem ist das Arbeits­gericht nicht gefol­gt und hat die Kündi­gungss­chutzk­lage abgewiesen, so von Bre­dow.

Uner­he­blich war für das Gericht, ob der Böller von oben in die Toi­let­tenk­abine hineinge­wor­fen oder aber an der Tür befes­tigt wor­den war, von wo er sich aus Verse­hen löste und dann in der Kabine explodierte. In bei­den Fällen liegt ein tätlich­er Angriff auf einen Arbeit­skol­le­gen vor, bei dem mit erhe­blichen Ver­let­zun­gen des Kol­le­gen zu rech­nen war. Bere­its darin liegt ein wichtiger Grund zur frist­losen Kündi­gung des Arbeitsver­hält­niss­es. Dass der nicht sachgerechte Umgang mit Feuer­w­erk­skör­pern zu schw­eren Ver­let­zun­gen führen kann, ist all­ge­mein bekan­nt. Das gilt erst recht, wenn wie hier in ein­er Weise damit hantiert wird, dass dem Betrof­fe­nen kein­er­lei Reak­tions- und Flucht­möglichkeit eröffnet ist. Ein­er vorherge­hen­den Abmah­nung bedurfte es angesichts der Umstände des Fall­es nicht. Trotz der bere­its lan­gen Betrieb­szuge­hörigkeit von 15 Jahren war der Beklagten hier auch nicht ein­mal mehr die Ein­hal­tung ein­er Kündi­gungs­frist zuzu­muten. Dabei war zum einen die Schwere der Pflichtver­let­zung auss­chlaggebend und zum anderen auch der Umstand, dass der Kläger als Vorar­beit­er ger­ade gehal­ten gewe­sen wäre, solch­es Fehlver­hal­ten zu un-terbinden.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beacht­en und bei Fra­gen zum Arbeit­srecht Recht­srat in Anspruch zu nehmen, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.  

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