(Stuttgart) Die Angabe in ein­er Stel­lenanzeige, wonach eine Tätigkeit in einem “jun­gen Team” geboten wird, kann ein Indiz für eine ver­botene Alters­diskri­m­inierung darstellen.

Das, so der Bre­mer Fachan­walt für Arbeit­srecht und Gewerblichen Rechtss­chutz Klaus-Dieter Franzen, Lan­desre­gion­alleit­er „Bre­men” des VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V., hat Lan­desar­beits­gericht (LAG) Schleswig-Hol­stein am 29. Okto­ber 2013 (Az.: 1 Sa 143/13) entsch­ieden.

Die Beklagte veröf­fentlichte im Juni 2012 eine Stel­lenanzeige in ein­er Tageszeitung, mit der sie einen Gebi­etsverkauf­sleit­er suchte. In dieser Stel­lenanzeige heißt es wörtlich:

„Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, eine ver­ant­wor­tungsvolle Posi­tion im Ver­trieb eines erfol­gre­ichen Unternehmens zu übernehmen. Als Mit­glied eines jun­gen und motivierten Teams erhal­ten Sie bei uns Gele­gen­heit, Ihren Ver­ant­wor­tungs­bere­ich kon­tinuier­lich auszuweit­en.”

Der Kläger, ein selb­ständi­ger Bauin­ge­nieur, bewarb sich mit Lebenslauf und Angaben zur Gehaltsvorstel­lung erfol­g­los auf diese Stelle. Anschließend machte der Kläger einen Entschädi­gungsanspruch wegen Alters­diskri­m­inierung in Höhe von 13.500,00 € gel­tend.

Das Gericht sprach dem Kläger eine Entschädi­gung in Höhe von 2.000,00 € zu, so Franzen.

Es sah den Kläger wegen seines Alters als unmit­tel­bar benachteiligt an, weil er anders als der erfol­gre­iche Bewer­ber auf die Stel­lenanzeige der Beklagten nicht berück­sichtigt wurde. Nach Ansicht der Kiel­er Richter ist der Kausalzusam­men­hang zwis­chen nachteiliger Behand­lung und Alter bere­its dann gegeben, wenn die Benachteili­gung an das Alter anknüpft oder durch dieses motiviert ist. Diese Voraus­set­zung war vor­liegend gegeben.

Ins­beson­dere der Satzbau spreche dafür, dass durch die Anzeige vor­wiegend jün­gere Bewer­ber ange­sprochen wer­den soll­ten. Die Beklagte habe ihr Team näm­lich nicht nur mit dem Adjek­tiv „jung” verse­hen son­dern darüber hin­aus auch noch mit dem Adjek­tiv „motiviert”. „Motiviert” bezieht sich aber auf die Mit­glieder des Teams. Das spreche dafür, dass auch der Begriff „jung” sich auf die Mit­glieder des Teams beziehe und nicht, wie die Beklagte vor­ge­tra­gen hat darauf, dass das Team erst vor drei Jahren zusam­mengestellt wor­den sei. Gehe der unbe­fan­gene Leser nach Vorste­hen­dem davon aus, es han­dele sich um ein Team junger Mitar­beit­er, in dem ihm eine Per­spek­tive eröffnet wer­den soll, so wird er regelmäßig eine Bewer­bung für wenig aus­sicht­sre­ich hal­ten, wenn er selb­st schon in fort­geschrit­ten­em Alter ist.

Allerd­ings wich das Gericht erhe­blich von dem geset­zlichen Höch­st­be­trag von drei Monats­ge­häl­tern ein­er möglichen Entschädi­gung ab. Unter Hin­weis auf die Beson­der­heit­en des Einzelfalls hielt das Gericht, aus­ge­hend von einem Brut­tomonats­ge­halt von 4.000,00 €, eine Entschädi­gung in Höhe eines hal­ben Brut­tomonats­ge­halts für angemessen.

Das Gericht begrün­dete diese erhe­bliche Reduzierung mit dem Umstand, dass das Alter des Klägers nur ein unter­ge­ord­netes Motiv im Rah­men des Motivbün­dels der Beklagten gewe­sen sei. Es hielt ins­beson­dere die Argu­men­ta­tion der Beklagten für nachvol­lziehbar, woraus sich bere­its aus der Bewer­bung des Klägers selb­st Zweifel an dessen Befähi­gung für die aus­geschriebene Stelle ergeben habe und dass die Beklagte ersichtlich nicht generell nur jün­gere Mitar­beit­er ein­stelle.

• Prax­ish­in­weis:

Die Ver­wen­dung des Merk­mals „junges Team” wird nicht von allen Lan­desar­beits­gericht­en als Indiz für eine Diskri­m­inierung beurteilt.

Das LAG Ham­burg hat eben­so wie hier das LAG Schleswig-Hol­stein in einem Urteil vom 23. Juni 2010 (Az.: 5 Sa 14/10) das Merk­mal in ein­er Stel­lenauss­chrei­bung unter der Über­schrift „wir bieten Ihnen” als Indiz für den Ver­stoß gegen das Diskri­m­inierungsver­bot wegen Alters ange­se­hen.

Das LAG Nürn­berg hat demge­genüber in ein­er Entschei­dung vom 16. Mai 2012 (Az.: 2 Sa 574/11) entsch­ieden, dass allein die For­mulierung in ein­er Stel­lenauss­chrei­bung „wir bieten einen zukun­ftssicheren Arbeit­splatz in einem jun­gen motivierten Team” noch keine Tat­sache darstelle, die eine Benachteili­gung eines Bewer­bers wegen des Alters ver­muten lasse. Ähn­lich entsch­ied das LAG München mit Urteil vom 13. Novem­ber 2012 (Az.: 7 Sa 105/12). Allein durch die Ver­wen­dung des Begriffes „junges Team” sei noch kein klar­er Bezug zu den gewün­scht­en Anforderun­gen und Eigen­schaften des Bewer­bers hergestellt wor­den, da es sich im entsch­iede­nen Fall um eine Angabe in einem „reinen Wer­be­block” han­dele.

Danach führt die Ver­wen­dung der For­mulierung „junges Team” nicht unisono zu einem Entschädi­gungsanspruch. Vielmehr leg­en die Gerichte ersichtlich viel Wert darauf, die Umstände des Einzelfalls zu berück­sichti­gen. Die Arbeit­ge­ber­seite wird deshalb gut daran tun, im gerichtlichen Ver­fahren aus­giebig vorzu­tra­gen, wenn andere Motive vor­liegen, die maßge­blich für die Ablehnung des Bewer­bers waren.

Franzen emp­fahl, dies zu beacht­en und riet er bei Fra­gen zum Arbeit­srecht Recht­srat in Anspruch zu nehmen, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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