(Stuttgart) Eine Messer­at­tacke auf eine Arbeit­skol­le­gin ist an sich geeignet, eine frist­lose Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Dies gilt auch dann, wenn die Tätlichkeit außer­halb des Betriebs und aus rein famil­iären Grün­den erfol­gte.

Darauf ver­weist der Kiel­er Fachan­walt für Arbeit­srecht Jens Klar­mann, Vizepräsi­dent des VdAA — Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. mit Sitz in Stuttgart unter Hin­weis auf ein am 05.05.2009 veröf­fentlicht­es Urteil des Lan­desar­beits­gerichts Schleswig-Hol­stein vom 06.01.2009, (Az.: 5 Sa 313/08).

Die Parteien führten einen Kündi­gungsrechtsstre­it. Der vierzigjährige Kläger türkisch­er Abstam­mung war bei der Beklagten eben­so wie seine Ex-Ehe­frau als Tabakar­beit­er beschäftigt. Der Kläger hat­te sich darüber geärg­ert, dass seine damals bere­its seit über zwei Jahren von ihm getren­nt lebende Ex-Frau die bei­den gemein­samen Kinder (7 und 14 Jahre alt) alleine zuhause gelassen hat­te, um an ein­er pri­vat­en Wei­h­nachts­feier teilzunehmen, obgle­ich der sieben­jährige Sohn krank war. Deshalb lauerte er sein­er Ex-Frau nachts auf der Straße auf, beschimpfte sie, zog sie an den Haaren und stach schließlich mehrfach mit einem Küchen­mess­er auf sie ein. Die Ex-Frau erlitt unter anderem eine 2 cm lange Schnit­twunde, die bis zum Knochen des Schul­terblattes reichte. Sie war für län­gere Zeit arbeit­sun­fähig. Der Kläger wurde in einem Strafver­fahren zu ein­er Frei­heitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Nach­dem der Arbeit­ge­ber hier­von Ken­nt­nis erlangte, kündigte er dem Kläger frist­los.

Das Arbeits­gericht wies die Kündi­gungss­chutzk­lage des Klägers ab. Die hierge­gen gerichtete Beru­fung des Klägers blieb auch vor dem Lan­desar­beits­gericht erfol­g­los, so betont Klar­mann.

Zur Begrün­dung führte das Lan­desar­beits­gericht aus: Eine Tätlichkeit unter Arbeit­skol­le­gen ist grund­sät­zlich auch dann geeignet, eine frist­lose Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen, wenn sie nicht im Betrieb, son­dern im pri­vat­en Umfeld aus rein pri­vat­en Motiv­en began­gen wor­den ist. Denn auch eine solche Tätlichkeit hat Auswirkun­gen auf das Arbeitsver­hält­nis. Durch die Arbeit­sun­fähigkeit des Opfers ist der Betrieb­sablauf gestört und der Arbeit­ge­ber muss Ent­gelt­fortzahlung leis­ten. Zudem kann der Betrieb­s­frieden durch die durch den Stre­it und die Tätlichkeit her­vorgerufe­nen Span­nun­gen gestört wer­den. Vor­liegend hat­te sich die Ex-Frau aus Angst geweigert, weit­er­hin mit dem Kläger im Betrieb zusam­men zu arbeit­en. Auch die Inter­essen­ab­wä­gung musste vor­liegend trotz der sech­sjähri­gen Beschäf­ti­gungszeit und der Unter­haltsverpflich­tun­gen zulas­ten des Klägers aus­fall­en. Maßge­blich waren die Für­sorgepflicht des Arbeit­ge­bers gegenüber der bei ihm noch beschäftigten Ex-Frau des Klägers und die zukün­ftige erhe­bliche Beein­träch­ti­gung des Betrieb­s­friedens allein auf­grund des anhal­tenden Angstzu­s­tands bei der betrof­fe­nen Ex-Frau.

Klar­mann emp­fahl Arbeit­ge­bern als auch Arbeit­nehmern, dieses Urteil  zu beacht­en und in Zweifels­fällen rechtlichen Rat einzu­holen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.   

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