(Stuttgart) Äußerun­gen gegenüber Arbeit­skol­legin­nen wie „Wenn du mich noch ein­mal beim Chef anscheißt, gehe ich dir an den Hals!”, recht­fer­ti­gen den Ausspruch ein­er frist­losen Kündigung.

Darauf ver­weist der Kiel­er Fachan­walt für Arbeit­srecht Jens Klar­mann, Vizepräsi­dent des VdAA  — Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. mit Sitz in Stuttgart unter Hin­weis auf das am 12.11.2009 veröf­fentlichte Urteil des Lan­desar­beits­gerichts Schleswig-Hol­stein (LAG) vom 21.10.2009, Az.: 3 Sa 224/09.

In dem Fall hat­te eine Bäck­ereifachverkäuferin ständi­gen Stre­it mit ein­er Auszu­bilden­den. So maßregelte sie diese in unangemesse­nen Ton u. a. auch vor Kun­den der Bäck­erei, worauf sich diese an den Chef wandte. Die Klägerin wurde daraufhin u.a. angewiesen, gegenüber der Auszu­bilden­den einen angemesse­nen Ton zu wahren, ins­beson­dere Beschimp­fun­gen und Bedro­hun­gen zu unter­lassen. Ihr wurde gesagt, dass dies nun­mehr ihre let­zte Chance sei. Sie solle mit der Auszu­bilden­den ein Gespräch führen, um die Span­nun­gen abzubauen, und auch mit der neuen Verkäuferin, Frau M…, fre­undlich und vernün­ftig umgehen.

Als sich das Ver­hält­nis hier­auf im weit­eren Ver­lauf sog­ar noch ver­schlechterte, wurde die Bäck­ereifachverkäuferin am 11.11.2008  zu einem weit­eren Gespräch in die Zen­trale geladen. Daraufhin sei diese der Auszu­bilden­den am Tage vorher „an den Hals gegan­gen” und habe dieser vorge­wor­fen, sie sei schuld, dass sie wieder zum Chef müsse. Dabei habe sich ihre Hand min­destens ganz nah im Hals­bere­ich der Auszu­bilden­den bewegt, wenn sie sie nicht gar am Hals berührt habe.

Am 11.11.2008 dro­hte die Bäck­ereifachverkäuferin der Auszu­bilden­den sodann in Anwe­sen­heit der Fil­iallei­t­erin „Wenn du mich noch ein­mal beim Chef anscheißt, gehe ich dir an den Hals!”. Fern­er zeigte sie dieser den „Stinkefin­ger” und rief ihr zu: „Wer mich beim Chef anscheißt, … den mache ich platt!” Hier­auf sprach der Arbeit­ge­ber am 13.11.2008 die frist­lose Kündi­gung aus.

Zu Recht, wie nun auch das Lan­desar­beits­gericht bestätigte, so Klarmann.

Grobe Belei­di­gun­gen von Kol­legin­nen seien geeignet, eine frist­lose Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Auch tätliche Auseinan­der­set­zun­gen im Betrieb recht­fer­tigten grund­sät­zlich die außeror­dentliche Kündi­gung. Der Arbeit­ge­ber habe alle Arbeit­nehmer seines Betriebs vor tätlichen Angrif­f­en zu schützen.

Vor diesem rechtlichen Hin­ter­grund sei die frist­lose Kündi­gung vom 13.11.2008 gerecht­fer­tigt. Das Ver­hal­ten der Klägerin gegenüber ihren Kol­legin­nen war nicht länger trag­bar und recht­fer­tigte angesichts der voraus­ge­gan­genen Gespräche, die mit ihr geführt wur­den, auch unter Berück­sich­ti­gung der lan­gen Betrieb­szuge­hörigkeit der Klägerin die außeror­dentliche Kündigung.

Das gezeigte Ver­hal­ten sei eine Bedro­hung ein­er Arbeit­skol­le­gin, das hier durch nichts zu recht­fer­ti­gen sei und im vor­liegen­den Fall auch durch ein Ver­hal­ten der Auszu­bilden­den  auch nur ansatzweise provoziert wor­den sei. Dies habe der Arbeit­ge­ber zur Recht mit dem Ausspruch ein­er frist­losen Kündi­gung geahndet.

Klar­mann emp­fahl, dieses Urteil  zu beacht­en und in Zweifels­fällen rechtlichen Rat einzu­holen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. — www.vdaa.de — verwies. 

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