(Stuttgart) Ein Profi­fußballer ist verpflichtet, auch an Spie­len oder am Train­ing der zweit­en Mannschaft teilzunehmen und muss ein­er entsprechen­den Weisung nachkommen.

Darauf ver­weist der Bre­mer Fachan­walt für Arbeit­srecht und Gewerblichen Rechtss­chutz Klaus-Dieter Franzen, Lan­desre­gion­alleit­er „Bre­men” des VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V., unter Hin­weis auf einen Beschluss des Arbeits­gerichts Berlin vom 17. Feb­ru­ar 2014 (38 Ga 2145/14).

Der Antrag­steller ist bei dem Erstli­gavere­in seit 2012 beschäftigt. Der Arbeitsver­trag ist befris­tet bis zum 30. Juni 2015 und gilt nur für die 1. und 2. Liga. Nach dem Ver­trag ist der Antrag­steller verpflichtet, “an jedem Train­ing teilzunehmen”. Fern­er heißt es wörtlich weit­er: “Der Spiel­er ist bei entsprechen­der Anweisung auch verpflichtet, an Spie­len oder am Train­ing der zweit­en Mannschaft des Clubs teilzunehmen, falls diese in Oberli­ga oder ein­er höheren Spielk­lasse spielt”. Die zweite Mannschaft des Vere­ins spielt in der Region­al­li­ga Nordost.

Der Spiel­er wurde angewiesen, nur noch am Train­ing der zweit­en Mannschaft teilzunehmen. Mit dem Antrag auf Erlass ein­er einst­weili­gen Ver­fü­gung ver­suchte er sich gegen diese Weisung zu wehren, um weit­er am Train­ing der ersten Mannschaft teil­nehmen zu können.

Das Gericht verneinte jedoch einen Recht­sanspruch des Spiel­ers auf Teil­nahme am Train­ing der ersten Mannschaft. Zwar sei der Arbeitsver­trag nur für die erste oder zweite Liga gültig. Das bedeute aber nicht, dass der Vere­in nicht mehr nach sportlichen Gesicht­spunk­ten entschei­den dürfe, ob und wie er den Spiel­er ein­set­ze. Die von den Arbeitsver­tragsparteien getrof­fene Regelung zum Train­ing sei wirk­sam und damit auch für den Profi­fußballer bindend.

Dabei sahen es die Berlin­er Richter als maßge­blich an, dass ein Profi­fußballer nicht in gle­ich­er Weise schutzbedürftig sei, wie ein “nor­maler” Arbeit­nehmer. Denn Profi­fußball­spiel­er seien tat­säch­lich in der Lage, auf die Ver­trags­be­din­gun­gen Ein­fluss zu nehmen. Zudem wisse jed­er Profi­fußball­spiel­er, dass der Vere­in allein nach sportlichen Gesicht­spunk­ten, und nicht auf­grund abstrak­ter rechtlich­er Erwä­gun­gen darüber entschei­de, ob und wie er die Spiel­er ein­set­ze. Jed­er Profi­fußballer müsse von daher damit rech­nen, gegebe­nen­falls auch in der zweit­en Mannschaft einge­set­zt zu wer­den. Dieses Risiko gehe der Fußball­spiel­er mit dem Ver­tragsab­schluss frei­willig ein. Dafür erhalte er im Übri­gen eine weit über dem Durch­schnitt liegende Vergütung.

Ganz anders dage­gen fiel in einem ähn­lich gelagerten Fall die Entschei­dung des Arbeits­gericht Mün­ster aus (Beschluss vom 20. August 2009, Az.: 1 GA 39/09).

Das Gericht wertete eine ähn­liche Klausel zur Train­ingsverpflich­tung des Spiel­ers in der zweit­en Mannschaft eines Zweitli­gavere­ins als unwirksam.

Maßge­blich sei nach Auf­fas­sung der Mün­ster­an­er Richter, dass der Ver­trag nur für die erste und zweite Liga gültig sei. Spiele die zweite Mannschaft unter­halb der ersten oder zweit­en Liga, könne die Klausel über die Train­ingsverpflich­tung genutzt wer­den, um unlieb­same Spiel­er abzuschieben. Das sei als unangemessene Benachteili­gung für den Spiel­er zu werten. Deshalb kippte das Gericht das Weisungsrecht des Vereins.

Die Berlin­er Entschei­dung erg­ing in einem vor­läu­fi­gen Ver­fahren. Ob das Berlin­er Arbeits­gericht an sein­er Auf­fas­sung fes­thält, ist offen. In der Gütev­er­hand­lung im Haupt­sachev­er­fahren (Az.: 38 Ca 2167/14) kon­nten sich die Parteien nicht ver­ständi­gen. Der näch­ste und ver­mut­lich let­zte Ver­hand­lung­ster­min find­et am 17. Juli 2014 statt.

Franzen emp­fahl, dies zu beacht­en und riet er bei Fra­gen zum Arbeit­srecht Recht­srat in Anspruch zu nehmen, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. – www.vdaa.de – verwies.

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