(Stuttgart) Die Span­nung steigt, der Count­down bis zum ersten Anpfiff läuft! Mil­lio­nen Men­schen freuen sich auf die Über­tra­gung der Fußball-Europameis­ter­schaft aus Frankre­ich.

Wenn die Spiele aber während der Arbeit­szeit stat­tfind­en, sind Fußball­begeis­terung und Arbeit nicht immer unter einen Hut zu brin­gen. Die meis­ten Arbeit­nehmer wer­den nicht in die Sit­u­a­tion kom­men, ihre Tätigkeit und den Fußball­genuss unter einen Hut brin­gen zu müssen. Denn wie bei den Europameis­ter­schaften zuvor wer­den die meis­ten Spiele erst nach 18:00 Uhr und damit für die meis­ten Arbeit­nehmer nach Feier­abend angep­fif­f­en.

Wie sieht es aber für diejeni­gen Arbeit­nehmer aus, die zu den Anstoßzeit­en um 18:00 oder 21:00 Uhr noch arbeit­en müssen? Tat­säch­lich sind einige arbeit­srechtliche Spiel­regeln zu beacht­en, so der Bre­mer Fachan­walt für Arbeit­srecht und Gewerblichen Rechtss­chutz Klaus-Dieter Franzen, Lan­desre­gion­alleit­er „Bre­men“ des VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V.

Grund­sät­zlich unprob­lema­tisch erscheint das Ver­fol­gen ein­er Begeg­nung im Radio. Wenn die Arbeit daneben konzen­tri­ert, zügig und fehler­frei aus­ge­führt wer­den kann, ist für ein Ver­bot kein Raum. Geht jedoch von der Über­tra­gung eine Störung aus, darf der Arbeit­ge­ber ein­schre­it­en und die Radionutzung ver­bi­eten. So muss Gerät aus­bleiben, wenn die Arbeits­fähigkeit der Kol­le­gen beein­trächtigt wird.

Fernse­hen während der Arbeit ist allerd­ings ohne aus­drück­liche Zus­tim­mung des Arbeit­ge­bers von vorn­here­in nicht zuläs­sig. Denn wer Fernse­hen schaut, wird sich nicht mehr auf die eigentliche Tätigkeit konzen­tri­eren kön­nen. Der optis­che Reiz ist zu stark, um nicht doch abge­lenkt zu wer­den. Deshalb sollte das Gerät ohne das OK des Arbeit­ge­bers nicht eingeschal­tet wer­den.

Dieser Grund­satz gilt in Zeit­en der Neuen Medi­en natür­lich auch für eine Über­tra­gung des Spiels im Inter­net und zwar auch dann, wenn der Arbeit­ge­ber die pri­vate Nutzung dieses Medi­ums ges­tat­tet hat. Denn regelmäßig erfasst diese Erlaub­nis nur die Nutzung in den Arbeitspausen. Selb­st wenn der Arbeit­ge­ber die Inter­net­nutzung während der Arbeit­szeit erlaubt hat, muss das Über­maßver­bot beachtet wer­den. Die Ver­fol­gung eines 90-minüti­gen Spiels wird regelmäßig nicht von der Erlaub­nis gedeckt sein. Dage­gen ist hin und wieder ein Blick auf den Live-Tick­er nicht zu bean­standen.

Ver­stöße gegen die Arbeit­spflicht kön­nen schw­er­wiegende Fol­gen nach sich ziehen. Der Arbeit­ge­ber kann den Arbeit­nehmer abmah­nen oder im schlimm­sten Fall eine Kündi­gung aussprechen. Um Stre­it­igkeit­en von vorn­here­in zu ver­mei­den, soll­ten Arbeit­nehmer entwed­er mit dem Arbeit­ge­ber frühzeit­ig über die Zweifels­fra­gen sprechen und ein­vernehm­liche Regelun­gen find­en.

Beste­ht ein Betrieb­srat, ist dieser zu beteili­gen. So hat der Betrieb­srat hin­sichtlich Beginn und Ende der Arbeit­szeit ein erzwing­bares Mitbes­tim­mungsrecht. Von daher kann er für die Zeit der Europameis­ter­schaft mit dem Arbeit­ge­ber eine flex­i­ble Regelung der Arbeit­szeit­en oder Aus­nah­men von der nor­malen Verteilung der Arbeit­szeit vere­in­baren. Gle­ich­es gilt für Regelun­gen über Son­der­pausen und der Ver­fol­gung der Spiele im Radio usw.

Franzen emp­fahl, dies zu beacht­en und riet er bei Fra­gen zum Arbeit­srecht Recht­srat in Anspruch zu nehmen, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deutsch­er Arbeit­srecht­sAn­wälte e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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